Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Moderne in der alten Kirche

Kultur / 05.08.2016 • 18:38 Uhr

Die Liebfrauenkirche in Rankweil hat ein neues Licht bekommen, ein aus der Kunst geborenes Licht. Drei neue Fenster, die vom bedeutenden amerikanischen Künstler David Reed sensibel gestaltet wurden, zieren nun die Kirche. Der Vorschlag zur Neugestaltung kam von der Kunstkommission des Landes, den dazu ausgeschriebenen Wettbewerb gewann Reed. Vom Land wurde die Hälfte beigesteuert, den Rest brachte Reed über die Galerie von Wolfgang Häusler ein, indem er den Erlös mehrerer Entwurfzeichnungen dafür bereitstellte. Das neue Licht in der Basilika ist für die Kirche also ein Geschenk.

 

Man darf das Wort Geschenk im konkreten, aber auch im übertragenen Sinn verstehen. Denn die Fenster von David Reed bringen ein neues, bestimmendes, meditatives Element in den Raum, eine Farbigkeit, die sich über drei Fenster von Ost nach West bewegt, vom hellen Grau und Blau des Morgens nach dem dunklen Rot des späten Tages. Es sind Bänder, die in den Fenstern von unten nach oben führen, in einen Bogen münden und so übergreifen auf das nächste Fenster und auch auf die nächsten Farben. David Reed zum letzten Fenster: „Ich hoffe, dass die Farben dieser Bänder eine innere Vorstellung der Visitation, des Besuchs Maria bei Elisabeth, erlauben – die Kirche ist diesem Thema geweiht. Nach den Blautönen soll das dunkelrote Band an die Farben der Jungfrau erinnern.“ David Reed ist ein höchst spiritueller Mensch. Die Fenster legen Zeugnis dafür ab.

 

Schon einige Zeit vorher wurde unter dem Eingang zur Basilika Rankweil die Landesgedächtniskapelle eingeweiht, eine außerordentliche Zusammenfindung von Architektur und Kunst. Andreas Cukrowicz und Simon Metzler haben einen Raum geschaffen, den Matt Mullican mit unglaublicher künstlerischer Intensität erfüllt hat. Die Architekten holten einen Lichtstrahl durch ein Loch in der sechs Meter dicken Außenwand, zur Tag- und Nachtgleiche wird damit der Schrein erleuchtet. Darin liegen die Bücher mit den Namen der Gefallenen und Vermissten der Weltkriege, dort liegt auch der Rosenkranz des Seligen Carl Lampert. Und im Boden hat Mullican sieben Messingscheiben für Sternbilder der nördlichen Erdkugel eingelassen, Sinnbilder für Daten und Erinnerungen an Nöte und Hoffnungen aus der Zeit der Kriege. Mit den Fenstern und der Kapelle wurde die Basilika zum besonderen Zentrum für zeitgenössische christliche Kunst – ein selten erfreuliches Beispiel in unserem Land.

Die Fenster von David Reed bringen ein neues, bestimmendes, meditatives Element in den Raum.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.