Wertschätzung ist Teil der Menschheitsgeschichte

Kultur / 03.04.2026 • 14:14 Uhr
Wertschätzung ist Teil der Menschheitsgeschichte
Die Malerin und Bildhauerin Amrei Wittwer ist auch als promovierte Pharmazeutin und Naturwissenschaftlerin tätig. C. Dietrich

Amrei Wittwer ist mit der Gestaltung der Urkunden für den Kunst- und Kulturpreis beauftragt.

Schwarzach Die Methode und das Ergebnis sind unterschiedlich, aber Forschung wie auch Kunst hinterfragen Glaubenssätze, erklärt Amrei Wittwer. Während die Forschung allerdings an Grenzen gerate, überwinde die Kunst diese. Amrei Wittwer ist als promovierte Pharmazeutin, bildende Künstlerin und Autorin in Vorarlberg tätig, sie hat in Zürich an der ETH sowie an der Hochschule der Künste studiert, zu ihren Abschlüssen zählen der Master of Fine Arts, der Doktor der Naturwissenschaften, das Diplom in Pharmazeutischen Wissenschaften und der Magister der Pharmazie. Ihre wissenschaftlichen Veröffentlichungen und Beiträge sind aufschlussreich. Im Verlag Hirzel ist beispielsweise das Buch „Schmerz. Innenansichten eines Patienten und was die Wissenschaft dazu sagt“ erschienen.

Wertschätzung ist Teil der Menschheitsgeschichte
Amrei Wittwer in ihrer Keramikwerkstatt am Brennofen.

Zu den Charakteristiken des Kunst- und Kulturpreises der Vorarlberger Nachrichten und der Wiener Städtischen Versicherung Vorarlberg zählt, dass die Jury Künstlerinnen oder Künstler vorschlägt, die mit der Gestaltung der Urkunden für die Preisträgerinnen und Preisträger beauftragt werden. In den letzten Jahren wurden die Entwürfe und Ideen der mit unterschiedlichen Materialien erfolgreich tätigen Künstlerinnen Gabriele Bösch, Alexandra Wacker und Carmen Pfanner umgesetzt. Amrei Wittwer hat sich heuer mit dem Konzept dieser Preisvergabe auseinandergesetzt und lässt in ihrem Vorhaben auch grundsätzliche Aspekte ihres künstlerischen Schaffens sichtbar werden.

Wertschätzung ist Teil der Menschheitsgeschichte


Von der Antike bis heute
Die Malerin und Bildhauerin, die als Naturwissenschaftlerin auch lange in der Forschung tätig war, entwirft und fertigt keramische Objekte, die die Urkunden im Inneren bergen. Dass es beim Preis darum geht, die ausgezeichnete Leistung von Kunst- und Kulturschaffenden sowie Kunstvermittlern zu würdigen verbindet sie mit der Bewahrung und Sichtbarmachung von antiken Dokumenten der Wertschätzung für Leistungen wie jene im Bereich der Baukunst. Wittwer: „Die Funde von antiken keramischen Gefäßen haben bewiesen, dass in ihnen ein Dokument über 4000 Jahre aufbewahrt werden kann und genau das sollen und können meine anachronistischen Dokumentgefäße leisten. Durch die Verbindung von historischen Bezugsebenen entsteht ein Objekt als Zeichen für die Kontinuität künstlerischen Schaffens und als Zeichen für die Weitergabe von Ideen über Generationen hinweg. Es verbindet Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.“ Während das Fundament eines Bauwerkes dessen physische Stabilität gewährleiste, schaffe dieser Preis, wie die Künstlerin im Gespräch betont, symbolische Grundlagen für eine langfristige Verankerung von künstlerischer Praxis in Vorarlberg.

Wertschätzung ist Teil der Menschheitsgeschichte


In der eigenen Werkstatt
Die Porzellan-Steinzeug Mischung des Grundmaterials stellt Amrei Wittwer in ihrer Werkstatt selbst her. Die Beschriftung, die sich wiederum auf die antike Widmungskultur sowie konkret auf die Preisvergabe im Jahr 2026 bezieht, wird im Zuge der Preisverleihung bekanntgegeben und erläutert. Bei einem Besuch in ihrem Atelier und ihrer Werkstatt sprach die Künstlerin auch über die Arbeit als Bildhauerin und Keramikerin: „Wer eine handwerkliche Fähigkeit erworben hat, kennt das spezifische Gefühl, das sich einstellt, wenn die Materie dem Arbeitenden entgegenzukommen oder zu antworten scheint. Wenn sich zwischen Material, Werkzeug und Hand eine Beziehung einstellt. Das antwortende Material birgt immer auch die Möglichkeit des Widerstands, von Unvorhergesehenem und von Überraschungen.“


Jury
Die Jury ist mit fünf Expertinnen und Experten besetzt, die eine Nominierungsliste mit würdigen Preisträgerinnen und Preisträgern erstellt und die Wahl begründet. Dem wertschätzenden Umgang mit Künstlerinnen und Künstlern entsprechend, fällt die Entscheidung erst nach mehreren Zusammenkünften bzw. Diskussionsrunden. Aktuell sind die Regisseurin und Autorin Barbara Herold, der Komponist und Universitätsprofessor Richard Dünser, die Galeristin Lisi Hämmerle sowie die Kulturvermittlerin und Autorin Sabine Benzer mit der Projektleiterin und Kulturjournalistin Christa Dietrich in diesem Team.

Gewidmet ist der heuer zum vierten Mal zu vergebende Preis professionell tätigen Personen oder Gruppierungen für herausragende Arbeiten und Projekte aus dem Bereich der bildenden Kunst, der Musik, der Literatur, der darstellenden Kunst, des Filmschaffens sowie der Kunstvermittlung. Neben der Fokussierung auf eine spezielle Leistung und die hohe Qualität des Schaffens, der Werke, der Produktionen und Projekte, hat die Jury mehrere Faktoren zu berücksichtigen. Zu diesen zählen unter anderem der schöpferische Aspekt oder die Nachhaltigkeit und die thematische Relevanz der künstlerischen Arbeiten und Projekte sowie Arbeiten und Projekte, die im Besonderen zur Entwicklung von Kultureinrichtungen in der Region beitragen


Partner und Unterstützer
Die Verleihung des Kunst- und Kulturpreises ist heuer wieder im Mai vorgesehen. Hauptpartner der Vorarlberger Nachrichten ist die Wiener Städtische Versicherung Vorarlberg. Unterstützer sind das Porsche Zentrum Vorarlberg – Rudi Lins, das Seehotel am Kaiserstrand und die Huber Uhren Schmuck GmbH.

Christa Dietrich