Das Gnadenbild im Zentrum
Man hat schon fast nicht mehr daran geglaubt. Aber nun scheint sich im Streit um die Neugestaltung der Wallfahrtskirche in Bildstein doch noch ein Kompromiss abzuzeichnen.
Maßgeblichen Anteil hatte offenbar Bischof Benno Elbs, der jene klare Position bezogen hat, die man sich gewünscht hatte. „Dass nun gerade hier eine Neugestaltung gelungen ist, die Spiritualität und zeitgenössische Architektur verbindet, ist für mich eine große Freude.“ Das ist es wohl auch für den Bildsteiner Pfarrer Paul Burtscher, der sich im Zentrum der Auseinandersetzung der Gegner und Befürworter der Kirchenrenovierung befand. Burtscher setzte sich für die Neugestaltung ein, wollte aber natürlich seine Pfarrgemeinde nicht zweigeteilt sehen.
Der ehemalige deutsche Bundeskanzler Ludwig Erhard meinte, ein Kompromiss sei „die Kunst, einen Kuchen so zu teilen, dass jeder meint, er habe das größte Stück bekommen“. Ich weiß nicht, ob das in Bildstein auch so ist, in jedem Fall aber heißt ein Kompromiss für beide Streitteile ein Nachgeben. In diesem Fall geht das allerdings auch auf Kosten der Vandanser, denn die Barockaltäre, die nun doch in Bildstein verbleiben sollen, gehören in die alte Vandanser Kirche, sie sind allerdings durch einen Leihvertrag noch einige Jahrzehnte den Bildsteinern nützlich.
Die Altäre – die waren wohl der zentrale Streitpunkt. Da haben die Gegner der Renovierung „gewonnen“, in den anderen Fragen die Erneuerer. Es ist, wie Architekt Christian Lenz sagt, „der Weg, der zwischen den verschiedenen Bedürfnissen und Ansprüchen vermitteln soll“. Die großartige Holzdecke wird renoviert, ebenso die Bänke. Der Fußboden – und das ist für das Gesamtbild wichtig – wird durch einen neuen, dunklen Steinboden ersetzt, der eine einheitliche Fläche vom Eingang bis in den Chorraum bildet.
Vor allem wird das Gnadenbild, das für viele Pilger der Grund ist, nach Bildstein zu kommen, auf eine Stele direkt vor den Hochaltar ins Zentrum der Kirche gestellt. Damit wird ihm – wie in den Anfängen der Kirche – jener Platz zugewiesen, der ihm zukommt.
Somit darf man hoffen, dass die Gnadenmutter auch auf die Kritiker der Neugestaltung einwirkt und damit Ruhe in Bildstein einkehrt. Und dass wir damit in Zukunft wieder gerne nach Bildstein gehen und uns an der schönen, erneuerten Kirche erfreuen.
Somit darf man hoffen, dass wir in Zukunft wieder gerne nach Bildstein gehen und uns an der erneuerten Kirche erfreuen.
walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.
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