Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Zum letzten Mal: Film ab!

Kultur / 14.10.2016 • 19:47 Uhr

Vor fast genau zwei Jahren lud das Vorarlberg Museum zu einer besonderen Veranstaltung: Eine Woche lang wurden Filme von Robert Polak, Bregenzer Filmemacher und Professor an der Filmakademie in Wien, gezeigt. Anlass war sein 70. Geburtstag. Am Anfang, 1963, stand „Pizi fährt den Schlauch“, der Rufname „Pizi“ blieb ihm aus seiner Jugend in Bregenz; am Ende, 2014, war es ein Film über „seine“ Straße, die Bergmannstraße in Bregenz, „Auf der Straße zur Kirche HJ“. Dazwischen waren es zwanzig andere Filme, verteilt über ein halbes Jahrhundert, die von Robert Polak im Museum gezeigt wurden, gedreht hat er aber über 200 Filme, als Regisseur, Kameramann, viele davon mit besonderer Leidenschaft als Cutter. Ein Lebenswerk. Vor einigen Tagen ist Robert Polak in Wien gestorben.

Manchmal trifft man schon früh auf Menschen, die nicht nur wichtig, sondern Begleiter für ein ganzes Leben werden. So war das bei mir mit Robert Polak. In der Unterstufe des Gymnasiums besuchten wir die gleiche Klasse. Es wurde eine besondere Klasse, eine Gemeinschaft, die sich auch über die Schulzeit hinaus in regelmäßigen Abständen traf, Maturajubiläen feierte oder auch ganz einfach ohne Anlass zusammensaß. Schon vor der Matura war „Pizi“ von der Filmerei besessen, mit der ersten 8-mm-Kamera drehte er seinen Schlauch-Film, eine Schussfahrt (er war ein sehr guter Skifahrer) vom Pfänder hinunter nach Bregenz. Kleine Spielfilme folgten und folgerichtig auch das Studium an der Filmakademie in Wien.

Und zur Matura machte er einen Film mit allen Schulkollegen, den er dreißig Jahre später wieder hervorholte und ergänzte. Er fuhr zu jedem an seinen Arbeitsplatz und führte ein Gespräch. „30 Jahre reif“ nannte er den Film, der nicht nur eine Dokumentation für die alte Klasse war, sondern ein Film, der auch für jeden anderen spannend war. Ein Kunstwerk.

Pizi war zwar ein stiller Mensch, dem unabhängig davon Ironie und Heiterkeit nicht fremd waren. Er stand lieber hinter der Kamera als auf der Bühne, er dachte, bevor er drehte. „Locus Iste“ (2004) ist ein Film, in dem das besonders deutlich wurde, ein Film über die Klösterreise des Spielbodenchors. Wunderbare Plätze, stimmige Musik und Bilder, die durch ihre Ruhe bewegen. Für „Locus Iste“ hat er – als allerletzte Arbeit – noch eine neue CD gebrannt. Ruhig wie „Locus Iste“ waren nicht nur die Filme von Robert Polak, so war er auch im Leben. Und so, an der Arbeit, hat er uns auch verlassen. Wir trauern.

Robert Polak, ,Pizi‘, war ein zwar stiller Mensch, dem unabhängig davon Ironie und Heiterkeit nicht fremd waren.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.