Ziemlich viel in kurzer Zeit
Viel ist geschehen in den letzten Tagen, auch solches, das einen eigenen Kommentar tragen würde. Dafür ist allerdings nicht die Zeit und der Platz. Also muss es unter einem gehen, mit dem Konflikt um die Seestadt als Beginn. Da gab es am Montag eine Diskussion der VN. Am Podium war auch Architekt Hermann Kaufmann, der ein interessantes Zitat von Bernhard Ölz, dem Vertreter der Betreibergesellschaft, aus dem Jahre 2008 brachte. Damals, noch vor dem Architektenwettbewerb, meinte Ölz: „Es geht nicht um irgendeinen Klotz oder ein Einkaufszentrum, sondern um Stadtplanung. Dieser Standort hat es verdient, dass man nachhaltig mit ihm umgeht. Da sprechen wir vom Einkaufsthema, nicht von einem Zentrum im klassischen Sinn, sondern von städtischen Lösungen, (…) von einem Erlebnis mit Zwischenräumen, Plätzen und Aufenthaltszonen.“ Wenn das heute noch gilt, dann muss man bei der Seestadt, so glaube ich, noch einmal von vorne beginnen.
Dann war am Mittwoch im Landtag die Budgetdebatte angesagt, dabei auch die Diskussion um das Kulturbudget des Jahres 2017. Viel hatten die Abgeordneten nicht zu sagen. Eine halbe Stunde genügte ihnen für die Kultur, wobei von dieser bescheiden bemessenen Zeit mehr als die Hälfte über das Stadtjubiläum 800 Jahre Feldkirch gesprochen wurde – und das hat mit dem Landtag nun (noch) gar nichts zu tun.
Also hatte es Kulturlandesrat Christian Bernhard mit seiner Abschlussbemerkung ziemlich leicht; er hatte keine Angriffe abzuwehren. Die schönere Aufgabe hatte er zwei Tage früher, als die Ehren- und Fördergaben des Landes vergeben wurden. Bernhard hielt die Laudationes für Evelyn Fink-Mennel und Martin Gruber (Ehrengaben) sowie Monika Grabuschnig und Kian Soltani (Fördergaben), Landeshauptmann Markus Wallner überreichte die Preise, eine Feier, die alljährlich durch Stil überzeugt.
Die Peinlichkeit der Woche lieferte der ehemalige Bregenzer Kulturamtsleiter Wolfgang Fetz beim wunderbaren Salon d’amour, der von Martin Gruber vom Aktionstheater veranstaltet wurde. Nachdem Gruber für die bisherige Zusammenarbeit gedankt hatte, fühlte sich Fetz zur Schlussbemerkung veranlasst, dass im Kulturamt künftig „Oberförster“ und „Hausmeister“ die Macht übernehmen würden. Einfach gesagt: Nach seinem genialen Tun werde die Bregenzer Kultur im Mittelmaß ersticken. Wie gesagt: Ziemlich peinlich.
Wenn das heute noch gilt, dann muss man bei der Seestadt, so glaube ich, noch einmal von vorne beginnen.
walter.fink@vn.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.
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