Das Wunder von Bilbao
Es war großartig. Es war hinreißend. Es war einfach unglaublich. Wir hatten uns von dieser Stadt nicht so viel erwartet, uns vor allem auf das Guggenheim-Museum gefreut. Und dann nahm uns Bilbao vom ersten Augenblick an in Beschlag und ließ uns fünf Tage nicht mehr los. Wir strichen geplante Ausflüge, um alle Zeit für diese außergewöhnliche Stadt zu haben, in der Altes und Neues geradezu in einer Innigkeit nebeneinander steht.
Es ist nicht lange her, gut zwanzig Jahre, da war Bilbao eine heruntergekommene Industriestadt. Der Bergbau war nicht mehr lukrativ, in der Folge standen die Fabriken still, der Hafen verwahrloste und Arbeitslosigkeit verbreitete sich. Niemand hätte damals eine Peseta auf die Zukunft dieser Stadt gewettet. Außer dem damaligen Bürgermeister, der auf Kultur setzte, und damit den „Bilbao-Effekt“ einleitete. Der erste, wichtigste Bau war das Guggenheim-Museum, das nach einem Wettbewerb an den amerikanischen Großmeister Frank O. Gehry vergeben wurde und heute das Wahrzeichen der Stadt ist. Wo heute das Museum steht, war noch vor zwei Jahrzehnten ein völlig verrotteter Stadtteil. Heute stehen um das Museum herum großartige Bauten, alte renovierte Häuser und unglaubliche Brücken, ein neuer, höchst attraktiver Stadtteil ist entstanden. Das politische Bekenntnis zu Kunst und Architektur hat die Wende gebracht; wie es ja letztlich überhaupt immer diese zwei Faktoren sind, die Fortschritt auch wirtschaftlicher Natur nach sich ziehen. In Bilbao kamen Architektenstars wie Norman Foster für die U-Bahn-Stationen, Zaha Hadid und der Designer Philippe Starck dazu, Santiago Calatrava hat außergewöhnliche Brücken über den Ria de Bilbao ebenso gebaut wie den neuen, faszinierenden Flughafen. Bilbao wurde zum Mekka der Architektur. Und auch sonst gibt es gute Gründe, in diese pulsierende Stadt zu gehen. Nicht zuletzt die verschiedensten Cafés und Bars, die innen wie auf der Straße ständig voll sind und wunderbare Pintxos, das ist der baskische Name für Tapas, anbieten, dazu besten Wein aus der Region.
Gerade im Zuge der derzeitigen Bregenzer Diskussion um die Seestadt sollte man allen Verantwortlichen von Stadt und Betreibergesellschaft eine Studienreise nach Bilbao empfehlen. Sie könnten dort manches über Stadträume und städtische Architektur sehen, das vielleicht auch Anregung für neue Überlegungen bei uns sein könnte.
Das politische Bekenntnis zu Kunst und Architektur hat die Wende gebracht.
walter.fink@vn.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.
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