Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Zwei Präsidenten, zwei Welten

Kultur / 27.01.2017 • 20:32 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Vor gut einer Woche wurde der neue amerikanische Präsident Donald Trump angelobt, vor zwei Tagen der neue österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Was für ein Unterschied, was für eine andere Welt! Nicht nur weil beide völlig unterschiedlichen politischen Richtungen angehören. Nein, der wirkliche Unterschied liegt im Menschen, liegt darin, dass der eine trennt und der andere versucht, den Interessen aller Mitbürger möglichst gerecht zu werden. Das zeigte sich auch in der Gestik. Während der eine, Trump, ständig den ermahnenden Zeigefinger in die Höhe hielt, um zu zeigen, wer hier der Lehrer und wer der Schüler ist, stand Van der Bellen in gewohnt ruhiger Art am Rednerpult, strahlte irgendwie auch Gelassenheit aus. Trump will und muss sich in Szene setzen, Van der Bellen scheint das nicht nötig zu haben.

 

Nicht zuletzt: Trump drohte schon bei seiner Antrittsrede, setzte einen Teil dieser Drohungen in den ersten Zeiten seiner Präsidentschaft auch gleich um, während sich Van der Bellen auch gegenüber seinem Mitbewerber um die Präsidentschaft, Nobert Hofer, versöhnlich gab. Auch mit den Vorgängern im Amt zeigt sich ein erheblicher Unterschied: Trump will wesentliche Bausteine von Barack Obamas Politik zerschmettern, etwa die Krankenversicherung für alle, hat das zum Teil auch schon getan, während Alexander Van der Bellen Kontinuität in der Politik heraufbeschwor und seinem Vorgänger Heinz Fischer höchsten Respekt zollte. Natürlich: Der amerikanische Präsident hat ganz andere Befugnisse als der österreichische, er bestimmt die Politik seines Landes, was bei uns nicht in gleichem Ausmaß der Fall ist. Ungeachtet dessen ist die Haltung, ist das, was der Präsident in bestimmten Situationen sagt, auch bei uns wichtig.

 

Ich sag’s ganz einfach: Ich bin dankbar, dass ich in einem Land lebe, in dem Alexander Van der Bellen und nicht Donald Trump Präsident ist. Die Rede von Donald Trump nach seiner Angelobung war nahezu unerträglich, war zersetzend für ein Land. Die Worte unseres Bundespräsidenten haben mich (wieder einmal) stolz gemacht auf unser Land, auf unsere Zugehörigkeit zu Europa. Wenn Van der Bellen seinen Beitrag für dieses Landes in solcher Form leistet, dann könnte sogar aus der Politik bei uns wieder etwas werden. Denn wie sagte Alexander Van der Bellen: „Österreich, das sind wir alle.“

Trump will und muss sich in Szene setzen, Van der Bellen scheint das nicht nötig zu haben.

walter.fink@vn.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.