Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Gut für Kunst und Kloster

Kultur / 10.03.2017 • 18:28 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Als ich jung war, gehörten die Kapuziner des Bregenzer Klosters zum Stadtbild, immerhin schon mehr als 300 Jahre lang, denn das Kloster wurde 1636, also während des Dreißigjährigen Krieges, gegründet. Hier blieben die Kapuziner, ein Bettelorden, der sich aus den Franziskanern neu gegründet hatte, wie in anderen Städten und Gemeinden des Landes für lange Zeit. Wir Kinder freuten uns, wenn wir von einem Kapuziner ein Ringle und – die Knaben – eine Prise Schnupftabak bekamen, die sich ohnehin nach einigen Sekunden wieder den Weg ins Freie suchte. Nach gut dreieinhalb Jahrhunderten aber war das Ende gekommen, die Kapuziner hatten keinen Nachwuchs mehr, das Kloster verfiel zunehmend; es war schlicht kein Bleiben mehr. Mir hat das sehr leid getan, und ich habe damals gemeint, dass man die Kapuziner unter Denkmalschutz stellen müsste, so sehr seien sie für diese Stadt wichtig. Es half nichts, die wenigen gebliebenen „minderen Brüder“, wie sie auch heißen, verteilten sich auf die anderen Klöster.

Das Kloster aber wurde renoviert und nach kurzer Zeit hielten die Schwestern der heiligen Klara Einzug im Kapuzinerkloster Bregenz. Klara war ja im 12. Jahrhundert in Assisi die Vertraute des heiligen Franziskus, und – ihm nachfolgend – gründete sie einen Frauenorden, eben die Klarissinnen. Die Freunde der Kapuziner übertrugen ihre Zuneigung nun auf die Schwestern und halfen in verschiedensten Aktionen, Geld für das Kloster aufzutreiben, vor Kurzem mit einer besonders gelungenen Idee.

Auf Betreiben des Künstlers Marbod Fritsch und des Obmanns des Freundeskreises, Kurt Mathis, wurde eine Klara-Kunstmappe aufgelegt. Das erste Blatt, ein Brief der heiligen Klara, von Fritsch in Kreuzform geschrieben, dann auf einen fein gemachten Holzrahmen gestellt, ist künstlerisch wie inhaltlich bemerkenswert. Es ist heute nicht mehr selbstverständlich, dass sich ein Künstler mit religiösen Symbolen auseinandersetzt, schon gar nicht mit dem Kreuz, dem Fritsch „hohe Symbolkraft“ zuspricht. Besonders muss vermerkt werden, dass der Freundeskreis auch dem Künstler seinen Teil am Verkauf zugesteht, dass die Auflage nur dreißig Stück beträgt und dass man sich qualitätvolle Künstler aussucht. Im nächsten Jahr wird Alexandra Wacker ein Blatt beisteuern, das vermutlich ebenso erfolgreich sein wird wie jenes von Marbod Fritsch. So kann man sich auf die Fortsetzung freuen.

Besonders muss vermerkt werden, dass der Freundeskreis auch dem Künstler seinen Teil am Verkauf zugesteht.

walter.fink@vn.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.