Geschichte wiederholt sich
Irgendwann haben wir in der Schule gehört, dass der Mensch aus der Geschichte lernt, zumindest, dass er daraus lernen sollte. Keine Zeit der Welt aber belegt, dass dem wirklich so ist. Denn wenn der Mensch wirklich lernfähig wäre, dann würde die Geschichte der Menschheit nicht vor allem aus Kriegen bestehen, dann würden die Geschichtelehrer nicht vor allem Zahlen und Daten von Schlachten und Kriegen lehren, dann hätte nicht der vorsokratische Philosoph Heraklit schon im fünften vorchristlichen Jahrhundert sagen können, dass „der Krieg der Vater aller Dinge ist“. Also: Der Mensch lernt nichts aus der Geschichte. Im Gegenteil: Geschichte wiederholt sich.
Denn so wie derzeit in der Türkei und auch bei den Auslandstürken in Deutschland, den Niederlanden und auch Österreich der Nationalismus angeheizt wird, muss man doch festhalten, dass da Hetze betrieben wird, wie wir sie aus den schlimmsten Zeiten des letzten Jahrhunderts kennen. Und wenn der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan europäischen Ländern Nazi-Verhalten und Faschismus vorwirft, dann sollte er doch erst das eigene Verhalten überprüfen, denn was der Präsident, der gerne noch viel mehr Macht hätte, als er bereits hat, Europa vorwirft, das sollte er doch bei sich erkennen. Sein Verhalten erinnert an die düsterste deutsche Vergangenheit: Unliebsame Opposition wird ins Gefängnis geworfen, kritische Richter, Journalisten und Beamte werden eingesperrt. Dann sucht man einen Sündenbock im eigenen Land; in der Nazizeit waren das die Juden, in der heutigen Türkei sind es die Kurden oder früher die Armenier; dann wettert man gegen das Ausland, das den eigenen Interessen im Wege stehe; in der Nazi-Ära waren das die Länder im Osten und später der ganze Rest der Welt, in der heutigen Türkei ist das die EU und sind das speziell Deutschland, die Niederlande und Österreich.
Mit solchen Verhetzungen gibt man vor, dass man das eigene Volk gegen die anderen schützt, denn die böse EU will nichts, als das stolze türkische Volk zu schädigen. Das alles macht Recep Tayyip Erdogan, damit er bei der kommenden Abstimmung in der Türkei die Mehrheit hinter sich schart und sich zum Präsidenten auf Lebenszeit mit allumfassenden Machtbefugnissen krönen kann. Dann ist er am Ziel – und der Rest verbrannte Erde, in der Türkei und bei den Türken im Ausland.
Mit solchen Verhetzungen gibt man vor, dass man das eigene Volk gegen die anderen schützt.
walter.fink@vn.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.
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