Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Der auch den Vögeln predigte

14.04.2017 • 17:45 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Auch diesmal war es wie so oft vor Feiertagen. Zur rechten Zeit kam mir das richtige Buch in die Hand. Kein Buch speziell für Ostern, aber eines, das das Leben eines Mannes beschreibt, dessen Leben oft mit jenem von Jesus von Nazareth verglichen wird. Natürlich, es geht um Franz von Assisi, den Heiligen, der als reicher Kaufmannssohn auf alles verzichtete und sich der Armut verschrieb. Geschrieben hat dieses schmale Bändchen Hermann Hesse im Jahr 1904, also zu jener Zeit, als er an den Bodensee übersiedelte (insel taschenbuch). Ermöglicht hatte ihm das sein erster Roman „Peter Camenzind“, der im gleichen Jahr erschien und seinen Durchbruch als Schriftsteller und nebenbei so viel Geld brachte, dass er heiraten und sich ein Haus in Gaienhofen am See mieten konnte.

Schon im „Camenzind“ beschäftigte sich Hesse intensiv mit Franziskus, dem „poverello“, dem bewusst Armen. Franziskus bestimmt weitgehend die Denkungsart der Hauptfiguren und er ist ihnen Vorbild. So war es naheliegend, dass Hesse dem Heiligen aus Assisi ein eigenes Bändchen widmete. Es war eine altertümliche Art, in der Hesse die Huldigung an Franziskus schrieb, ein Stil, in den man sich einlesen muss, der ein wenig auch an biblische Texte erinnert. Wenig später sah er seine eigene Arbeit kritischer: „Es war eine leichtfertige Arbeit, in jugendlichem Enthusiasmus mit einer Ahnungslosigkeit und Frechheit geschrieben, die ich mir nicht mehr zurückzudenken vermag.“ Ich sehe das nicht so tragisch, habe das Bändchen in diesen Tagen wieder mit Genuss gelesen.

Wohl auch, weil es so viel an Zuneigung des Autors für seinen „Helden“, für Franz von Assisi, in sich hat. Und diesen Heiligen muss man mögen, egal, wie immer man zu Kirche oder Religion stehen mag. Er ist so voller Güte, voller Hingabe, natürlich auch so voller Glauben, dass man ihm einfach alles abnimmt, was aus seinem Munde kommt.

Allein der „Sonnengesang“ des Franz von Assisi, den Hesse hier großartig übersetzt, ist so unglaublich und so voller Liebe zur Natur und zur Schöpfung, dass man sich ihm nicht entziehen kann. Nimmt man dazu noch die Bilder von Giotto aus der Kirche von Assisi, die die Lebensgeschichte in diesem Bändchen begleiten, dann fällt man vollends in den Text Hesses und in das Leben des Mannes, der den Vögeln gepredigt hat. Und das passt doch wunderbar in den Frühling und zu Ostern.

Diesen Heiligen muss man mögen, egal, wie immer man zu Kirche oder Religion stehen mag.

walter.fink@vn.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.