Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Ein Förderer der neuen Kunst

21.04.2017 • 21:03 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Bequem war er nie. Angepasst auch nicht. Aber eines hatte er immer: einen hohen Anspruch an die Qualität in der Kunst. Das zeigte sich in seiner jahrzehntelangen Arbeit als Leiter des Kulturamtes der Landeshauptstadt Bregenz. Es gibt viele Bereiche, in denen er Wegbereiter war, viele Kulturangebote, die er erstmals nach Vorarlberg brachte.

Vor Kurzem hat Oscar Sandner seinen 90. Geburtstag gefeiert. Am kommenden Donnerstag richtet das Felder-Archiv dem Schriftsteller, Hörspielautor und Lyriker im Foyer des Theaters am Kornmarkt einen eigenen Abend aus.

Der Platz ist gut gewählt. Denn auch in diesem Foyer zeigt sich die Handschrift von Sandner. Die Mosaike der vier Säulen stammen vom Bregenzer Maler Hubert Berchtold, für die Wandmalereien wurde Fritz Krcal verpflichtet. Womit sich schon ein wesentlicher Schwerpunkt in der Arbeit von Sandner zeigt: Er hat immer darauf geachtet, dass Künstler mit Aufträgen bei öffentlichen Bauten betraut werden. Kunst in Bregenz wäre ohne Oscar Sandner nicht denkbar.

So stand er auch am Anfang der großen Sommerausstellungen im Künstlerhaus, in denen er immer wieder die Vorarlberger Barockbaumeister in den Mittelpunkt stellte, ebenso wertvollste Forschungsarbeit für Angelika Kauffmann leistete, internationale zeitgenössische, beispielsweise englische Kunst nach Vorarlberg brachte oder auch den römischen Götterhimmel zum 2000-Jahr-Jubiläum der römischen Eroberung von Bregenz zeigte. Es waren prachtvolle Ausstellungen, es waren ebensolche Kataloge, mit der kleinen Einschränkung, dass sie manchmal erst zu spät das Licht der Welt erblickten. Er brachte Gastspiele nach Bregenz, etwa das Piccolo teatro milano unter dem genialen Giorgio Strehler, er richtete den ersten Symphonikertag im Festspielhaus aus – vieles könnte einem noch einfallen.

Oscar Sandner war es ein Anliegen, immer auch neue Kunstformen einzuführen. Zum Beispiel war das „Konzert ohne Podium“, für das er in Hubert Marte einen kongenialen Partner hatte, ein wunderbarer Versuch, den Menschen Musik verständlich zu machen.

Oder er brachte die Vorarlberger Autoren in einer eigenen Reihe auf die Bühne. Den Jazz hat er – auch hier mit einem begnadeten Partner, Manfred Eicher vom Lable ECM – den Vorarlbergern nahegebracht. Nicht zuletzt wäre auch die Gründung der Bregenzer Randspiele ohne Sandner nicht denkbar gewesen. Viele Verdienste also, über die man reden könnte. Und viel Anlass zur Ehre.

Oscar Sandner war es ein Anliegen, immer auch neue Kunstformen einzuführen.

walter.fink@vn.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.