Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Alles dreht sich um ein Bild

Kultur / 02.06.2017 • 21:50 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Eigentlich ist es ein Kriminalroman. Denn da wird betrogen, geraubt, gelogen, gemordet, da werden Menschen und Dinge verbrannt. Alles ziemlich heftig, und trotzdem klingt das bei Christian Mähr dank seiner Ironie einigermaßen schaumgebremst. Beim Leser fehlt das Gruseln, das Erschrecken, das Sich-vor-dem-Dunkel-fürchten. Ganz einfach deshalb, weil Christian Mähr die Sprache wichtiger ist als die Krimihandlung. Deshalb ist „Aber das Bild war noch da“ (Verlag Wortreich) nicht als Kriminalroman, sondern als Roman betitelt.

Christian Mähr lässt seine Romane gerne in bekanntem Umfeld, in Vorarlberg, spielen. Auch hier ist der Wiedererkennungseffekt für den hiesigen Leser groß, für jemanden, der das Land nicht kennt, aber wohl nicht störend. Die Handlung ist weitgehend in Feldkirch angesiedelt, unter anderem in einer bekannten Villa am Ardetzenberg. Alles dreht sich um ein Bild, das sinnigerweise den Namen „Höchst 1b“ trägt und von dem genialen Maler Ludwig Cannizzaro, auch einem Vorarlberger, gemalt wurde.

Auch zu diesem Bild gibt es eine reale Vorlage, die leicht surrealistisch anmutenden Häuser des Vorarlberger Malers Ingmar Alge. Das Bild, so stellt sich heraus, bringt Unglück. Alle wollen es besitzen, obwohl es nur ein Haus mit geschlossenen Fenstern und ebensolchem Garagentor zeigt. Es geht durch viele Hände und hinterlässt eine blutige Spur. Ein angesehener Politiker wird zu einem ehemaligen Politiker, seine Frau ist nicht der Inbegriff der liebenden Gattin, ein Krimiautor gerät in die Spirale der Geschehnisse, ein Kunsthändler spielt eine dubiose Rolle, der geniale Maler sowieso und ein irgendwie aus dem Osten kommender Gangster bringt noch mehr Unbill. Manche von ihnen segnen das Zeitliche in brennenden Autos bei uns oder auch anderswo. Nicht umsonst heißt es da: „Wer mit dem Teufel aus einem Napf essen will, muss einen langen Löffel mitbringen.“

Es geht flott dahin im Roman von Christian Mähr, man nimmt ihn gern wieder zur Hand, um die Geschichte weiter zu verfolgen. Nicht umsonst hat Reinhold Bilgeri dazu geschrieben: „Spannend, irritierend, meisterlich!“ Und das stimmt schon. Christian Mähr ist wirklich ein Meister der Sprache, er nimmt den Leser mit in seine Geschichte und lässt ihn nicht mehr hinaus. Bis zum erstaunlichen Ende. Und nicht einmal das ist sicher.

Alles ziemlich heftig, trotzdem klingt das bei Christian Mähr dank seiner Ironie einigermaßen schaumgebremst.

walter.fink@vn.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.

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