Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Wo bleiben nur die Visionen?

Kultur / 23.06.2017 • 18:25 Uhr

Die Pläne zur Bregenzer Seestadt sind also zurückgezogen. Ob das auch das Aus für die vorgesehene Verbauung ist, wage ich noch nicht zu glauben. Denn immer noch läuft das Ansuchen um Baugenehmigung, das die Betreiber nicht zurückgezogen haben.

Dafür will man jetzt mit dem Seequartier, der Fortsetzung der Seestadt in Richtung Vorkloster, „Gas geben“. Das hört man jetzt von jenen, die verantwortlich sind für das Seequartier. Vor allem mit dem neuen Bahnhof soll es möglichst schnell weitergehen, die Planungen werden mit Druck fortgeführt.

Vielleicht bin ich ein etwas naiver Mensch. Aber für mich ist nicht klar, wie das gehen soll. Da sagt man die eine Planung, die Seestadt, ab, dafür will man die anschließende, den Bahnhof und das Seequartier, besonders schnell bauen. Kann man das überhaupt? Wo man doch nicht weiß, wie die Seestadt aussehen wird. Das kann, so denke ich mir, keine intelligente Stadtplanung sein. Seestadt und Seequartier bilden mit dem Bahnhof eine Einheit, sie müssen also auch aufeinander abgestimmt sein, wenn man von vernünftiger Planung sprechen will. Abstimmen kann man aber nicht, wenn man nicht weiß, was da in der Seestadt kommen wird. Und auch im Seequartier ist längst noch nicht alles klar.

Am klügsten wäre es, so glaube ich, einen Baustopp einzulegen und die ganze Sache noch einmal zu überdenken. Statt sich mit konkreten Bauten zu beschäftigen, sollte man einmal ruhig sitzen, die Fantasie spielen lassen und Visionen für diesen so wichtigen Teil von Bregenz entwickeln.

Man sollte sich nicht die Frage stellen, was am profitabelsten, sondern was für diese Stadt am wichtigsten ist. Möglicherweise könnte man auch im Zusammenhang mit Überlegungen zur Kulturhauptstadt Europas nachdenken, was hier von anderen Städten und Regionen Unterscheidbares entstehen könnte.

Warum sollte man sich nicht überlegen, ob man statt der Seestadt eine große Markthalle mit Gastronomie, Kino und Kulturangebot bauen sollte. Oder: Warum sollte man die Chance nicht nutzen, um hier endlich eine längst überfällige Universität in Vorarlberg einzurichten. Keine Volluniversität, aber doch geistes- und naturwissenschaftliche Institute, die auch neues Leben in bei uns kaum vorhandene Forschung und Wissenschaft bringen könnten.

Es gäbe viele Ideen, man müsste sich nur die Zeit zum Nachdenken geben, anstatt möglichst schnell zu bauen.

Warum sollte man die Chance nicht nutzen, um hier endlich eine längst überfällige Universität in Vorarlberg einzurichten.

walter.fink@vn.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.