Geburtstag für ein Wahrzeichen
Das Jubiläum ist unübersehbar, wenn man durch die Straßen von Bregenz geht. Zwei große X, Zeichen für die römische Zahl Zwanzig, zeigen gemeinsam mit dem Logo des KUB den Geburtstag an. Und der wird an diesem Wochenende gebührend gefeiert. Zwei Tage lang gibt’s vom Vormittag bis in die Nacht freien Eintritt ins Kunsthaus, Führungen und ein Festakt im Landestheater heute Abend ergänzen das Programm. Und morgen geht’s in ähnlicher Art weiter, unter anderem mit einer Buchpräsentation von KUB-Kurator Rudolf Sagmeister, der am Mittag im Theater Künstlerporträts aus zwei Jahrzehnten zeigt. Ein Fest für alle soll es sein.
Das Kunsthaus Bregenz gehört gefeiert. Es hat sich in ziemlich kurzer Zeit zu einem neuen Wahrzeichen von Bregenz entwickelt, kein anderes Gebäude in Vorarlberg hat den Architektur-Tourismus so befördert wie der Bau des Schweizer Architekten Peter Zumthor. Dabei war das dem Haus nicht in die Wiege geschrieben. In schlechtester Erinnerung sind noch die Proteste von Bregenzer Bürgern und Geschäftsleuten, die an diesem Platz lieber einen Parkplatz gesehen hätten, die geglaubt haben, dass man sich mit zeitgenössischer Kunst keinen publikumswirksamen Blumentopf verdienen, sondern nur die Menschen verstören kann.
Ebenso in Erinnerung ist der ziemlich einsame Kampf des damaligen Landesrates für Kultur und Finanzen, Guntram Lins, ohne den dieses Haus nicht stehen würde. Gegen eine politische Mehrheit – auch in seiner eigenen Fraktion – setzte Lins dieses Haus durch, er änderte auch die ursprüngliche Idee, hier eine Art Landesgalerie zu errichten. Guntram Lins, dem ersten Direktor Edelbert Köb – ebenso seinen Nachfolgern – und Architekt Zumthor ist zu danken, dass das KUB zu einem international wahrgenommenen Kunsthaus wurde und nicht zu einem lokalen Ereignis. Vor dieser Leistung muss man sich noch heute verneigen.
Viele große Namen der zeitgenössischen Kunst haben durch das Kunsthaus nach Vorarlberg gefunden. Erstmals war es damit möglich, sich in dieser Region mit dem auseinanderzusetzen, was man sonst nur in großen Museen oder Kunsthallen findet.
Erstmals musste man nicht der Kunst nachfahren, sondern kam die Kunst zu uns. Das Kunsthaus hat es möglich gemacht. Dafür darf man sich bedanken und einen schönen Geburtstag mit viel Publikum wünschen. Am besten geht man selbst hin, um das Haus und seine Kunst zu schauen.
Erstmals musste man nicht der Kunst nachfahren, sondern kam die Kunst zu uns.
walter.fink@vn.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.
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