Vom Weltall auf den Boden der Realität

Kultur / 03.12.2017 • 21:21 Uhr
Johannes Rausch und Birgit Unger mit Figuren von Evelyne Fricker in „Machtnix oder Der Lauf, den die Welt nahm“ von Barbara Frischmuth. Theater der Figur/Gubler
Johannes Rausch und Birgit Unger mit Figuren von Evelyne Fricker in „Machtnix oder Der Lauf, den die Welt nahm“ von Barbara Frischmuth. Theater der Figur/Gubler

Theater der Figur bietet zum 40-Jahre-Jubiläum eine Frischmuth-Uraufführung mit viel Science Fiction.

Feldkirch „Für Menschen ab zwölf Jahren“, steht auf dem Theaterplakat. Der Besucher neben mir ist deutlich jünger, konzentrierte Aufmerksamkeit schenkte er dem knapp eineinhalbstündigen Treiben auf der Bühne dennoch. Und das mag etwas heißen. Im Feldkircher Saumarkttheater ging es am gestrigen späten Nachmittag nicht unbedingt weihnachtlich zu, ein gutes Ende findet das Märchen allerdings, das das Vorarlberger Theater der Figur zu seinem 40-Jahre-Jubiläum dem Publikum bietet.

Hoffnung

Wer die Aufführungen von Johannes Rausch über die Jahre verfolgte, der erkennt hier vieles wieder, für das das Unternehmen steht, das Theater für Kinder und Jugendliche zudem auch dorthin brachte, wo es nicht kontinuierlich stattfindet. Mit „Machtnix oder Der Lauf, den die Welt nahm“ der österreichischen Autorin Barbara Frischmuth hat man erneut einen Prosatext für die Bühne bearbeitet. Dass er vor mehr als 20 Jahren erschienen ist, reduziert keinesfalls seine Aktualität, es ist viel mehr verwunderlich, dass bislang noch keine Bühne auf das Buch zurückgriff, geht es doch um eine beherzte Rettung der Welt, um Märchenhaftes in der Tradition der „Bremer Stadtmusikanten“, um Kinder, die ihrem Schicksal überlassen werden und deren harten Überlebenskampf in einer alles andere als friedlichen Welt, um Freundschaften, um soziales Verhalten, um Drogen, um das Fressen und Gefressenwerden, um Machtansprüche und Machtmissbrauch. Das Mädchen Machtnix schlägt sich jedenfalls tapfer durch, hat bald eine Kröte, ein Huhn, eine Maus und einen Blindgänger im Schlepptau und steht ihre Tour auf der Saumarktbühne auch in Science-fiction-Manier durch.

Was Johannes Rausch immer schon auszeichnete, ist, dass er den Einsatz von Figuren mit einfacher, aber wirkungsvoller Licht- und Projektionstechnik überhöht, bevor er die Handlung wieder auf die kleinstmögliche Szene zwischen einer Schauspielerin und einer Puppe zurückführt.

Es steckt Traurigkeit in diesem Text, der aber auch voller Hoffnung ist und humorvolle Momente zulässt. Sabine Wöllgens hat ihn bearbeitet, Steffen Essigbeck und vor allem Birgit Unger agieren schlagfertig, berührend und mit Wortwitz. Rausch selbst übernimmt einen Part, lässt für die Älteren einen Politiker auftreten und regt die Fantasie der Jüngeren an.

Weitere Aufführungen am 4., 5. und 6. Dezember, 10 Uhr, im Theater am Saumarkt in Feldkirch und am 8., 9. (20 Uhr) und, 11., 12. Dezember (10 Uhr) im TiK in Dornbirn.