Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Warum nicht in die Höhe?

Kultur / 02.02.2018 • 20:05 Uhr

Seit langer Zeit frage ich mich immer, wenn ich an einem großen Lebensmittelmarkt vorbeikomme, warum hier ein flächenfressendes Bauwerk steht, das wohnungsmäßig ungenutzt ist. Da verbaut man eher Tausende statt Hunderte Quadratmeter Grund für den Lebensmittel- oder sonstigen -markt, dazu noch mindestens gleich viel Fläche für Parkplätze – und sonst passiert mit dieser riesigen Fläche nichts. Dabei wird seit Jahrzehnten Klage darüber geführt, dass im Land zu wenig Baugrund zur Verfügung steht. Würde man jeden Supermarkt oder Baumarkt oder weiß ich welchen Markt mit Wohnungen überbauen, dann hätte man in allen Städten des Landes ganz schnell viel Platz, um Wohnraum zu schaffen. In Zukunft könnte es noch viel einfacher sein: Man müsste einfach das Baugesetz so ändern, dass ebenerdige Handels- oder Gewerbebauten nicht mehr zugelassen werden. Das könnte man ja steuern.

Nun lese ich vor wenigen Tagen in dieser Zeitung, dass sich das Architekturbüro Dietrich Untertrifaller mit genau dieser Frage beschäftigt. Es geht ihnen darum, Wohnen über solchen Bauten zu ermöglichen, „nachzuverdichten“, wie das in der Fachsprache heißt. Die ganze Sache ist logisch und vollkommen klar. Man muss nur offenen Auges durch das Land fahren, dann sieht man, wie viel Fläche am Land, aber auch in den Städten – und dort ist es besonders problematisch – auf diese Weise für den Wohnbau verloren geht. In Salzburg und Wien ist man schon so weit, dass es Überlegungen in dieser Richtung gibt – allerdings noch keine wirkliche rechtliche Handhabe. Die könnte aber doch – nicht nur im Osten, sondern auch bei uns – geschaffen werden. Wenn schon nicht für die Vergangenheit, dann zumindest für die Zukunft.

Nicht zuletzt würden solche Wohnungen ja meistens auch dort errichtet werden können, wo Menschen sind, in Zentren oder beliebten Wohngegenden, dort, wo man heute kaum mehr einen Bauplatz und kaum mehr eine Wohnung findet. Man könnte noch weiter gehen, an diesen Plätzen auch Sozialwohnungen oder Startwohnungen für junge Menschen, die sich kaum mehr Wohnraum leisten können, errichten.

Das alles ist von mir nicht wirklich durchdacht, ich bin auch kein Fachmann. Aber es gibt ja klügere Menschen in der Politik oder Architektur, die sich mit dieser Frage beschäftigen könnten. Und dann könnten solche Überlegungen doch wirklich Sinn machen.

„Wenn schon nicht für die Vergangenheit, dann zumindest für die Zukunft.“

Walter Fink

walter.fink@vn.at

Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.