Politiker in die Rolle der Moderatoren schlüpfen

Politik / 25.06.2026 • 15:04 Uhr
Politologin und VN-Kommentatorin Kathrin Stainer-Hämmerle war zu Gast bei der sechsten Ausgabe
Politologin und VN-Kommentatorin Kathrin Stainer-Hämmerle war zu Gast bei der sechsten Ausgabe “VN-Kommentatoren im Gespräch” in St. Arbogast. VN/Stiplovsek

Politologin Kathrin Stainer-Hämmerle war zu Gast bei der VN-Kommentatorenreihe.

Götzis Am Mittwochabend fanden sich rund 130 Interessierte im Bildungshaus St. Arbogast zur sechsten Ausgabe der Veranstaltungsreihe „VN-Kommentatoren im Gespräch“ ein. Im Mittelpunkt stand diesmal Politologin und VN-Kommentatorin Kathrin Stainer-Hämmerle, die im voll besetzten Saal ihre Einschätzungen zu aktuellen politischen Fragen gab. Ihre zentrale Botschaft: Nur durch umfassende Information kann das Misstrauen der Bevölkerung gegenüber der Politik abgebaut werden. Vom radikalen Kurs der FPÖ profitiere niemand, betonte Stainer-Hämmerle. Besonders die heimische Wirtschaft, aber auch die Gesellschaft insgesamt würden unter dem von der Partei propagierten Nationalismus leiden. Die Aufgabe der Bevölkerung sei es nun, Europa zu stärken, denn viele Herausforderungen könnten nur gemeinsam bewältigt werden.

Politiker in die Rolle der Moderatoren schlüpfen
VN/Stiplovsek

Politische Ereignisse einordnen und deuten

Stainer-Hämmerle kommentiert seit zwölf Jahren das politische Geschehen in Österreich für die VN und ist als Expertin auch in anderen Medien sehr gefragt. „Ich möchte politische Vorgänge erklären. Dabei geht es nicht darum, welche Partei es besser oder schlechter macht, sondern welche Auswirkungen ihre Entscheidungen auf Demokratie und Gesellschaft haben“, erklärte sie ihre Motivation. Im Gespräch mit VN-Politikchef Michael Prock unterstrich sie die Bedeutung, politische Zusammenhänge verständlich darzustellen und langfristige Perspektiven aufzuzeigen.

Politiker in die Rolle der Moderatoren schlüpfen
VN/Stiplovsek
Politiker in die Rolle der Moderatoren schlüpfen
VN/Stiplovsek
Politiker in die Rolle der Moderatoren schlüpfen
VN/Stiplovsek
Politiker in die Rolle der Moderatoren schlüpfen
VN/Stiplovsek

Was tun gegen Politikfrust?

Mehrere Zuhörer im Publikum äußerten ihre Sorge über die wachsende Politikverdrossenheit und fragten, ob die Demokratie noch zu retten sei. Dafür fand sie klare Worte: „Was ist die Alternative? Als Teil der Europäischen Union ist es unsere Aufgabe, die EU zu stärken. Die globalen Umbrüche zeigen, wie verwundbar wir sind. National können wir uns nicht mehr alleine behaupten und in verschiedensten Bereichen verteidigen.“ Wichtig sei, dass Politiker klar kommunizieren und der Bevölkerung verständlich machen, warum bestimmte Entscheidungen notwendig sind. Als Beispiel nannte sie die Schließung von Geburtenstationen oder die Anhebung des Pensionsantrittsalters. Gute Kommunikation erhöhe die Akzeptanz in der Bevölkerung.

Politiker in die Rolle der Moderatoren schlüpfen
VN/Stiplovsek
Politiker in die Rolle der Moderatoren schlüpfen
VN/Stiplovsek
Politiker in die Rolle der Moderatoren schlüpfen
VN/Stiplovsek
Politiker in die Rolle der Moderatoren schlüpfen
VN/Stiplovsek

Wahlrecht für Pflichtschüler

Um Politikverdrossenheit entgegenzuwirken, sollten möglichst viele Menschen am politischen Prozess teilhaben können. Ein Problem sieht sie darin, dass eine große Zahl in Österreich kein Wahlrecht besitzt. Besonders unter diesen Gruppen entstehe Unzufriedenheit. Sie sprach sich dafür aus, allen Kindern, die in Österreich die Pflichtschule absolviert haben, ein Wahlrecht zu verleihen: „In der Pflichtschule müssen wir Demokratie vermitteln, diese Kinder sind die Fachkräfte von morgen.“ Demokratie sei herausfordernd, und man müsse auf mehreren Ebenen versuchen, die Menschen zu erreichen. Die Politiker sollten stärker als Moderatoren auftreten, Interessen anhören und gemeinsam nach Lösungen suchen. Den Medien kommt dabei eine besondere Rolle zu: Sie bereiten komplexe Themen verständlich auf und bieten in der täglichen Nachrichtenflut Orientierung. „Wir alle sind gefordert. Medien, die gute Arbeit leisten, sollten von uns unterstützt werden, etwa durch ein Abo oder einen heruntergeladenen Artikel. Nur so können Journalisten weiterhin kritisch nachfragen“, betonte sie. Die VN-Kommentatorenreihe wird nach dem Sommer fortgesetzt: Am 21. Oktober eröffnet Julia Ortner die nächste Ausgabe in St. Arbogast. BVS