Bludenz setzt auf mehr Kultur
Wenn ich das richtig sehe, dann scheinen die Chancen, dass Dornbirn, Hohenems, Feldkirch und der Bregenzerwald den Titel der Europäischen Kulturhauptstadt zuerkannt bekommen, zu schwinden. Das hat sich schon abgezeichnet, als Bregenz (vom Zeitpunkt her nicht ganz nachvollziehbar) aus der möglichen gemeinsamen Bewerbung ausgestiegen ist, das ist Anfang Woche noch deutlicher geworden, als sich Bludenz mit heftiger Unterstützung des Landes als neue Kulturstadt der Region Vorarlberg-Süd vorgestellt hat, damit auch als mögliche vierte Stadt in Sachen Kulturhauptstadt ausgestiegen ist. Natürlich hat das Ganze auch eine einigermaßen pikante Note: Der heutige Bludenzer Kulturstadtrat Christoph Thoma, der diese Pläne heftig fördert, war zu Beginn der Kulturhauptstadt-Diskussion noch Tourismusleiter in Bregenz und als solcher heftiger Befürworter einer Bewerbung. Unter dem Titel „Kulturfabrik 2030“ beginnt Bludenz einen neuen Strategieprozess, der nicht am Schreibtisch entwickelt, sondern in kreativer Arbeit mit den Menschen vorangebracht werden soll. Dabei sieht sich die Alpenstadt als Zentrum im Süden des Landes, in dem fünf Täler zusammenkommen. Allein das sei eine Besonderheit, die sich auch im kulturellen Angebot, das man in Zukunft mehr auf die Region bezogen sehen will, zeige. Bestehendes in dieser Region solle genutzt, Neues geschaffen werden.
Interessant bei der Präsentation war, dass nicht nur Bludenz durch Bürgermeister Josef Katzenmayer und Christoph Thoma, sondern auch das Land gleich doppelt, mit Landesrat Christian Bernhard und Kulturamtsleiter Winfried Nußbaummüller vertreten war. Wenn so schwergewichtig aufgetreten wird, wenn noch dazu viel Geld vom Land zur Verfügung gestellt wird, dann darf man auch seine Schlüsse ziehen. Die gehen eindeutig in die Richtung, dass das Land zeigen wollte, was man sich im Landhaus für die Zukunft vorstellt. Bernhard meinte: „Ganz im Sinne der kulturstrategischen Ausrichtung forciert und fördert das Land auch im Süden Vorarlbergs die Kulturentwicklung.“ So deutlich und klar wie hinter Bludenz hatte sich der Kulturlandesrat noch nie hinter die Idee der Europäischen Kulturhauptstadt gestellt. Auch wenn Nußbaummüller und Thoma heftig widersprachen, wenn man die Bludenzer Kulturinitiative in Zusammenhang mit der Bewerbung zur Kulturhauptstadt brachte – die Zweifel konnten sie nicht zerstreuen. Sicher ist, dass damit die Kulturhauptstadt-Befürworter einen kräftigen Dämpfer erlitten haben.
„Bestehendes in dieser Region solle genutzt, Neues geschaffen werden.“
Walter Fink
walter.fink@vn.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.
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