Geschichte in bester Form
In den Tagen des März wurden wir in beeindruckender Form auf die tragischen Ereignisse des Jahres 1938 hingewiesen, Gedenkveranstaltungen gab es fast überall, offizielle der Republik, öffentliche von historischen Gesellschaften oder auch kleinen Vereinen. Der Untergang der Ersten Republik, das Hereinbrechen des Nationalsozialismus, der Anschluss an das Deutsche Reich – alles war plötzlich wieder präsent. Ein ganz besonderes Lob ist dabei dem ORF auszusprechen, der über Wochen Geschichtswissen verbreitete und historische Aufarbeitung betrieb. Nach so massiven und zum Teil auch hervorragenden Informationen kann nun niemand mehr sagen, er wisse nichts von dieser Zeit.
Ähnliches steht uns im späten Herbst bevor, wenn uns das Ende des Ersten Weltkriegs am 11. November 1918 in Erinnerung gerufen wird. Im Bregenzerwald hat man da schon vorgegriffen. In mehreren Gemeinden sind seit längerem Stelen zu sehen, auf denen – zusammengestellt vom Bregenzerwald Archiv und den Bregenzerwälder Ortschronisten – vor allem auf die missliche Situation der Bevölkerung in dieser Zeit hingewiesen wird. Erweitert wird das seit gut einer Woche durch die sehenswerte Ausstellung „Der 1. Weltkrieg und der Bregenzerwald“ im Gebhard-Wölfle-Saal in Bizau, in der wiederum die Ortschronisten vor allem persönliche, erschütternde Schicksale erzählen. Begleitet wurde das von einem Referat des Historikers Meinrad Pichler im voll besetzten Saal.
Den Höhepunkt dieser Gedenkveranstaltungen setzt der Theaterverein Bizau, der am Sonntag sein Stück „Broses Vere – Ein Dorf im Krieg“ präsentierte (gespielt wird auch an den nächsten Wochenenden). Geschrieben wurde das Stück von Josef Anton Meusburger im Dialekt des hinteren Bregenzerwaldes, Regie führte Stefan Pohl, die Spielerinnen und Spieler stellte wie immer der Theaterverein unter Jürgen Metzler. Es war ein seltener Glücksfall, der sich hier ereignet hat. Dem Autor ist es gelungen, die Gräuel des Krieges von der unvorstellbaren Brutalität des Gesamten auf die persönliche Ebene eines Dorfes herunterzubrechen. Und es zeigt sich, dass der Einzelfall genauso unerträglich ist wie der Krieg im Großen. Stefan Pohl flocht in seine Inszenierung Bilder ein, die den Beginn, das Ende und die Zeit des Krieges in einer Symbolik darstellten, die tief betroffen machte. Und die Spielerinnen und Spieler wuchsen über sich hinaus. Ich war schon oft im Bizauer Theater, noch nie aber habe ich es so gut, so stimmig und so engagiert erlebt.
„Ich war schon oft im Bizauer Theater, noch nie aber habe ich es so gut, so stimmig und so engagiert erlebt.“
Walter Fink
walter.fink@vn.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.
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