„Ein Bollwerk gegen die Unmündigkeit“

Kultur / 22.02.2019 • 16:15 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Die Premiere des Stücks „Nacht ohne Sterne“ von Bernhard Studlar, inszeniert von Hubert Dragaschnig, findet am 23. Februar im Theater Kosmos statt. VN/Paulitsch

Hubert Dragaschnig betont die Funktion des Theaters und inszeniert die erste Kosmos-Produktion des Jahres.

Christa Dietrich

Bregenz Wer definiert denn, wie hoch die Mindestsicherung sein darf? Wird dabei kalkuliert, dass ich zumindest einmal Freunde zum Essen einladen darf? Macht es das Leben lebenswerter, wenn jemand, der schon zwei Millionen pro Jahr verdient, drei Millionen Euro bekommt? Oder geht es doch nur darum, der Gewinnmaximierung Futter zu geben? Solche und weitere Fragen beschäftigen Hubert Dragaschnig, den Schauspieler und Regisseur, wenn er von der Ökonomisierung spricht, von der Überprüfung und Reduzierung der Handlungen oder der Äußerungen von Menschen auf deren Rentabilität.

„Wie gefällt euch unsere Zeit?“, eine Frage von Ödon von Horváth (1901-1938), von dem „Kasimir und Karoline“ oder „Geschichten aus dem Wiener Wald“ weitgehend als sozialkritische Stücke geläufig sind, hat sich das Theater Kosmos als Spielzeitmotto gewählt. Mit „Nacht ohne Sterne“ beginnt die Saison. Dass das Stück des Wiener Autors Bernhard Studlar, diese „menschenfreundliche Betrachtung, dieses Ablauschen von brüchigen Existenzen, die literarisch überhöht werden“, bislang nie in Österreich gespielt wurde, erstaunt Dragaschnig. Er inszeniert das Werk, das als Komposition an Schnitzlers berühmt gewordenen „Reigen“ angelegt ist und mit dem neben einigen bekannten Künstlern eine Reihe von neuen Schauspielern ans Theater Kosmos kommen.

Freier Eintritt für FPÖ-Mitglieder

Nicht nur mit seinem Spielplan, der im Herbst auch eine Uraufführung des selten für die Bühne schreibenden Michael Köhlmeier vorsieht, ließ das Theater Kosmos jüngst aufhorchen. Augustin Jagg und Hubert Dragaschnig, die beiden Leiter, wollen FPÖ-Mitgliedern freien Eintritt zu Aufführungen gewähren und ein Gespräch anbieten. „Es ist eine paradoxe Intervention, aber ich bin nach wie vor der Meinung, dass es wichtig ist, auch über solche Wege mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Theater ist ein Bollwerk gegen die Unmündigkeit.“ Wenn eine Partei oder eine Gruppierung danach trachtet, mehr oder weniger aus der EU auszutreten, dann seien das Bestrebungen, die zurück zu einem Nationalismus führen. Mit dem Blick auf die Situation in der Welt könne man das nicht als richtig erachten. Dragaschnig: „Ich glaube, dass über die Möglichkeit, im Theater Biografien zu erleben oder Menschen näher zu kommen, eine Form von Respekt gegenüber Strategien von Menschen entsteht.“ Und daraus könne sich ein wichtiger Aspekt für Demokratien entwickeln, nämlich die Solidarität.

Keine Konsumenten, sondern Menschen

In einer weiteren Aktion wollen die Theaterleitern zu jeweils unterschiedlichen Terminen Aufführungen anbieten, nach denen jeder Besucher mit einem 10-Euro-Schein beschenkt wird. Das Geld stammt aus dem Produktionsbudget. Dass ein Theaterunternehmen aufgefordert ist, wirtschaftlich zu arbeiten, sei absolut nachvollziehbar, wie die Beträge eingesetzt werden, also etwa für die Ausstattung oder eben für eine solche „Intervention“, das müsse aber den Künstlern überlassen sein. Man müsse den Menschen auch bewusst machen, dass es nicht richtig ist alles zu bemessen, also die Summe zu berechnen, die für einen Besucher aufgewendet wird oder ein Theaterunternehmen nach dessen Umwegrentabilität zu beurteilen. Bei diesem Punkt sei man schon bei der fragwürdigen Ökonomisierung und abgesehen davon gäbe es bei vielen Bemessungen ohnehin jede Menge Unschärfen. Eine Autorin habe einmal Bruno Felix, den Leiter des Theaters für Vorarlberg, aus dem das Landestheater hervorgegangen ist, nach der Zahl der Suizide bei Schauspielern befragt, er antwortete damit, dass es kaum eruierbar sei, wieviel Suizide durch den Schauspielerberuf verhindert wurden. Felix maß dem Theater neben vielen Aspekten eben auch einen therapeutischen zu. Dragasching: „Unser Publikum sind nicht Konsumenten, sondern Menschen, die sich einer künstlerischen Produktion stellen.“ Horváth habe das Motiv des Kälterwerdens einer Gesellschaft gut beschrieben, meint Dragaschnig und stellt sein diesbezügliches Schaffen in Bezug mit der heutigen Diskussion zur Mindestsicherung, in der sich die österreichische Sozialministerin Beate Hartinger-Klein mit dem Sager einbrachte, dass man von 150 Euro im Monat leben könne und sich dabei mit menschlicher Wärme brüstete. Dragaschnig dazu: „Wenn die Sozialministerin meint, Wärme zu zeigen, dann ist die Arktis ein Hochofen.“

In einer weiteren Aktion wollen die Theaterleitern zu jeweils unterschiedlichen Terminen Aufführungen anbieten, nach denen jeder Besucher mit einem 10-Euro-Schein beschenkt wird. Das Geld stammt aus dem Produktionsbudget. Dass ein Theaterunternehmen aufgefordert ist, wirtschaftlich zu arbeiten, sei absolut nachvollziehbar, wie die Beträge eingesetzt werden, also etwa für die Ausstattung oder eben für eine solche „Intervention“, das müsse aber den Künstlern überlassen sein. Man müsse den Menschen auch bewusst machen, dass es nicht richtig ist alles zu bemessen, also die Summe zu berechnen, die für einen Besucher aufgewendet wird oder ein Theaterunternehmen nach dessen Umwegrentabilität zu beurteilen. Bei diesem Punkt sei man schon bei der fragwürdigen Ökonomisierung und abgesehen davon gäbe es bei vielen Bemessungen ohnehin jede Menge Unschärfen.

Wenn die Sozialministerin meint, Wärme zu zeigen, dann ist die Arktis ein Hochofen

Hubert Dragaschnig, Schauspieler, Regisseur

Eine Autorin habe einmal Bruno Felix, den Leiter des Theaters für Vorarlberg, aus dem das Landestheater hervorgegangen ist, nach der Zahl der Suizide bei Schauspielern befragt, er beantwortet damit, dass es kaum eruierbar sei, wieviel Suizide durch den Schauspielerberuf verhindert wurden. Felix maß dem Theater neben vielen Aspekten eben auch einen therapeutischen zu. Dragasching: „Unser Publikum sind nicht Konsumenten, sondern Menschen, die sich einer künstlerischen Produktion stellen.“ Horváth habe das Motiv des Kälterwerdens einer Gesellschaft gut beschrieben, meint Dragaschnig und stellt sein diesbezügliches Schaffen in Bezug mit der heutigen Diskussion zur Mindestsicherung, in der sich die österreichische Sozialministerin Beate Hartinger-Klein mit dem Sager einbrachte, dass man von 150 Euro im Monat leben könne und sich dabei mit menschlicher Wärme brüstete. Dragaschnig dazu: „Wenn die Sozialministerin meint, Wärme zu zeigen, dann ist die Arktis ein Hochofen.“