Landestheater: Wieso Beckett zwei Mal kommt und der 27. Kanton übrig war

Kultur / 28.02.2019 • 07:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Silvia Costa mit Rosabel Huguet  bei der Inszenierung von Becketts "Spiel".  Theater
Silvia Costa mit Rosabel Huguet bei der Inszenierung von Becketts „Spiel“. Theater

Landestheater holt mit Silvia Costa eine erfolgreiche italienische Künstlerin und widmet sich einem Aspekt der Geschichte Vorarlbergs.

Christa Dietrich

Bregenz Von der Musik, der Qualität der Sänger bis hin zur Inszenierung und Ausstattung, für die bildhauerische Elemente aus dem Kanon der Kunst des 20. Jahrhunderts übernommen und mit viel Archaik aufgeladen wurden, hatte eine Produktion der Salzburger Festspiele im letzten Sommer besonders überzeugt: „Salome“ von Richard Strauss steht deshalb heuer erneut auf dem Spielplan.  Franz Welser-Möst am Pult der Wiener Philharmoniker, Asmik Grigorian in der Titelrolle und vor allem Romeo Castellucci, zuständig für Regie und Ausstattung, hatten sich damit mit Höchstleistungen festgeschrieben.

Neben Castellucci ist es die selbstverständlich in der Auflistung namentlich genannte italienische Künstlerin und Theatermacherin Silvia Costa, die man als Mitarbeiterin des Regisseurs mit der Salzburger „Salome“ in Verbindung bringt. Costa wurde nun von Stephanie Gräve, Intendantin des Vorarlberger Landestheaters, beauftragt, das 1963 uraufgeführte Stück „Spiel“ von Samuel Beckett umzusetzen. Wie kommt es aber zu einem Abend in zwei Teilen mit zwei unterschiedlichen Titeln?

Ganz einfach bzw. an sich etwas kompliziert, denn wer einen Beckett umsetzen will, hat Rechteinhaber am Hals, die nicht nur auf Texttreue achten, die man bei der Auseinandersetzung mit Arbeiten des irischen Schriftstellers sowieso voranstellt, sondern auch auf die weitgehende Einhaltung der Regieanweisungen. Das Landestheater machte das Beste daraus und offeriert seinem Publikum neben der Begegnung mit Silvia Costa einen doppelten Abend. Zuerst erzählen die drei Personen in diesem „Spiel“ somit ihre Geschichte, das heißt, die Geschichte eines Mannes, seiner Frau und seiner Geliebten, in der es zunehmend nicht mehr um die Personen geht, sondern um die Darstellung, um das Spiel, um das Theater, in dem auch den Zuschauern selbst eine wesentliche Rolle zukommt.

Im zweiten Teil mit dem Titel „Wry smile dry sob“ befindet man sich dann in einer theatralischen Installation, in einer wortlosen Performance, in der sich Motive aus dem ersten Teil über andere Elemente, etwa die Bewegung, die Musik von Nicola Ratti, die Ausstattung etc. vermitteln.

„Kanton Übrig“

Abgesehen davon bereitet das Landestheater die nächste große Produktion vor, Thomas Arzt und Gerhard Meister haben sich mit der Abstimmung über den Anschluss Vorarlbergs an die Schweiz vor hundert Jahren auseinandergesetzt und untersucht, wie es dazu kam, dass über 80 Prozent für die Anschlussverhandlungen mit der Schweiz votierten. Da ein 27. Kanton dann ohnehin kein Thema wurde, weil die Schweizer die konfessionelle Balance bei einem Zuzug von Katholiken in Gefahr sahen und weil die Friedensverträge dem Votum im Wege standen, blieb den Vorarlbergern die bekannte Bezeichnung „Kanton übrig“.

Apropos Theater und Politik: Nach dem in Deutschland entworfenen Konzept, dass Theatermitarbeiter ihre Abgeordneten kennenlernen sollten, wurden jüngst die Abgeordneten zum Vorarlberger Landtag ins Haus am Kornmarkt geladen.

Ob der Sanierung des Hauses damit Anschub geleistet wurde, sei, so die Auskunft von der Theaterleitung, schwer zu sagen. Jedenfalls dürfte der Austausch fällige Renovierungen nicht behindert haben. Eine nach wie vor schwierige Hürde stellt nämlich die Tatsache dar, dass das Kornmarkttheater der Stadt Bregenz gehört, während es von einem Unternehmen des Landes bespielt wird.