Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Singen ist eine coole Sache

01.03.2019 • 13:54 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Zu den schönsten Erinnerungen an meine frühe Schulzeit gehört das Singen. Das war damals ein eigenes Fach, auf dem Programm stand das Erlernen von vorwiegend heimatlichen Liedern. Den Lehrerinnen und Lehrern war das war kein Nebenbei-Tun, keine Erholung von den anderen, „wichtigen“ Fächern. Selbst im Gymnasium noch hatte ich das Glück, in Musik einen Lehrer zu haben, dem Singen wichtig war: Gerhard Dallinger, später Leiter des Bruckner-Konservatoriums in Linz. Viele Lieder aus dieser Zeit sind mir noch heute im Gedächtnis, auch Liedtexte habe ich über die Jahrzehnte bewahrt. All das ist aus der heutigen Schule fast vollkommen verschwunden, es gibt kein eigenes Fach mehr, es gibt auch fast kein gemeinschaftliches Singen mehr. Kurz gesagt: Die Kinder lernen keine Lieder mehr. Doch nun gibt es seit einer Zeit den Superar-Chor. Das spanische „superar“, von dem sich das internationale Projekt und der Chor den Namen geholt hat, bedeutet „überwinden“ – zum Singen überwinden. Mit dabei sind Volksschulen aus Altach und die Volksschule Augasse aus Bregenz. An diesen Schulen wird an drei Tagen in der Woche eine Stunde gesungen, am vierten trifft sich der gesamte Chor – das sind etwa 250 Kinder.

Wer sich jemals mit Singen beschäftig hat, der weiß, dass Singen überhaupt, Persönlichkeitsbildung und soziale Kompetenz fördert.

Walter Finkd

Erster Höhepunkt war am vergangenen Wochenende ein Konzert im voll besetzten Bregenzer Festspielhaus. Es war unglaublich, es war großartig, wie da eine mit singenden Kindern randvolle Bühne Stimmung in das Haus brachte. Lieder in acht verschiedenen Sprachen haben die jungen Sängerinnen und Sänger in den letzten Monaten gelernt – und nun stehen sie ohne Text und Noten da und lassen sich von den vier Chorleiterinnen und dem Dirigenten spielerisch führen, bis der Funken auch auf das Publikum überspringt. „Die Arbeit mit der Stimme ist wohl der direkteste und unmittelbarste Zugang zu sich selbst und zum Gegenüber.“ Das sagt Magdalena Fingerlos, eine der Chorleiterinnen bei Superar. Wer sich jemals mit Singen beschäftigt hat, der weiß, dass nicht nur diese Aussage richtig ist, sondern dass Singen überhaupt Selbstsicherheit, Persönlichkeitsbildung und soziale Kompetenz fördert. Allein deshalb sollte man Singen nicht – wie das einmal ein österreichischer Politiker getan hat – als „Orchideenfach“ sehen, sondern als wichtigen Teil der schulischen und auch außerschulischen Ausbildung. Superar sollte viele Nachfolger an vielen Schulen des Landes finden. Denn, so der Schlusstitel beim Konzert: „Singen ist eine coole Sache!“

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