Der Kunst beim Wachsen zusehen

Kultur / 14.03.2019 • 19:48 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Objekt „Transformation of special relation“: eine ehrliche, natürliche Auseinandersetzung mit Materialien in Anlehnung an Architektur und Bildhauerei. Katharina Fitz
Objekt „Transformation of special relation“: eine ehrliche, natürliche Auseinandersetzung mit Materialien in Anlehnung an Architektur und Bildhauerei. Katharina Fitz

Die Vorarlbergerin Katharina Fitz lädt die Betrachter ein, die Entstehung ihrer Kunst spielerisch mitzuerleben.

Bettina Maier-Ortner

Nottingham, Dornbirn Die Künstlerin und Fotografin Katharina Fitz (33) lebt seit 15 Jahren im Ausland. Zuerst für ihr Kultur- und Kunststudium in Spanien, derzeit lebt und arbeitet die Künstlerin in Nottingham, Großbritannien. Die Liebe zur Vorarlberger Baukunst und die Arbeit mit natürlichen Materialien prägen die Arbeit der gebürtigen Dornbirnerin.

 

Wie hat sich Ihr künstlerisches Schaffen entwickelt? Sind Sie bereits als Kind am Esstisch gesessen, haben gemalt und gebastelt?

Fitz Kreativ sein eröffnete mir als Kind einen Raum, in dem ich mich und meine Gedanken ausleben und mich zurückziehen konnte. Dabei stand vom frühen Kindesalter die Musik im Vordergrund, und später, als Teenager, entdeckte ich die analoge und digitale Fotografie, die mich bis heute begleitet.

 

Welchen Weg haben Sie nach der Matura eingeschlagen? Eine klassische Ausbildung oder ging es erst einmal auf Weltreise?

Fitz Nach Abschluss meiner Matura wollte ich Österreich für eine Zeit verlassen und neue Sprachen und Kulturen kennenlernen. Daher verlegte ich meinen Lebensmittelpunkt mit 18 Jahren nach Barcelona, wo ich spanische Kultur und Sprache auf der Universidad de Barcelona und anschließend Fotografie und Film am Instituto de Sant Ignasi de Sarriá studierte.

Wie waren Ihre ersten „Gehversuche“ als Künstlerin?

Fitz Nach Beendigung meines Studiums in Barcelona zog ich 2008 für ein Praktikum nach Berlin. Die ersten Jahre arbeitete ich als Bildbearbeiterin und kam schnell in Kontakt mit anderen Fotografen und Künstlern, die mich bis heute inspirieren. Den Schritt, mich überwiegend der Kunst zu widmen, wagte ich 2012. Ich war in Aufbruchstimmung und hatte endlich den Mut gefasst, mich voll und ganz auf meine eigenen kreativen Projekte zu konzentrieren. Damals bewegte ich mich nur bedingt in der Kunstszene und erlangte erste Ausstellungen hauptsächlich durch öffentliche Ausschreibungen. Mit meinem Projekt ‚Dornbirn Houses‘ erhielt ich 2013 meinen ersten Award bei den International Photography Awards und 2014 wurde mir vom Land Vorarlberg die Artist Residency in der Fundació Bilbao Arte verliehen. Diese ersten Erfolge gaben mir das nötige Selbstbewusstsein, an meine Arbeit zu glauben, und eröffneten mir die Möglichkeit, mich international zu vernetzen und Freundschaften mit anderen Künstlern zu knüpfen.

 

Welche Auszeichnungen haben Sie bereits für Ihre Werke erhalten?

Fitz Ich habe verschiedene Fotoawards erhalten, unter anderem den Lens Culture Exposure Award, den Moscow International Photography Award, mehrere Awards bei den International Photography Awards und war Finalistin bei den Felix Schöller Awards. Weiters habe ich 2016 ein Stipendium der Universität von Nottingham Trent und letztes Jahr das Gilber Bayes Stipendium für Bildhauer erhalten.

 

Auf welche Ausstellung sind Sie besonders stolz?

Fitz Die Ausstellung in der Nottingham Contemporary Gallery und die Teilnahme an der diesjährigen Heimspiel Triennale gehören zu meinen künstlerischen Höhepunkten dieses Jahres. Dank der stimmig kuratierten Ausstellung von Roland Scotti im Kunstmuseum Appenzell konnte ich meine neue Arbeit ‚Memory Palace‘ in den einzigartigen Räumlichkeiten einem breiten Publikum der Region präsentieren. Obwohl ich Österreich vor 15 Jahren verlassen habe, ist es mir wichtig, den Kontakt zu meiner Heimat aufrechtzuerhalten.

 

Worauf richten Sie Ihr Schaffen aus?

Fitz Ich arbeite hauptsächlich im Bereich der konzeptuellen Fotografie und Objektkunst. Dabei schließe ich seit 2016 unterschiedliche Techniken, wie das Gießverfahren, Formenbau, Holzbearbeitung und Keramik, in meine Praxis ein.

 

Woher nehmen Sie Ihre Inspirationen?

Fitz In meinen Installationen stelle ich die unterschiedlichen Stufen des künstlerischen Prozesses aus und lade den Betrachter ein, sich auf spielerische Art und Weise mit dem Entstehungsprozess von Objekten auseinanderzusetzen. Meine Inspirationen liegen unter anderem in den Bereichen Architektur, Kulturtheorie, Philosophie und Geschichte.

 

Steckt somit auch ein Stück Vorarlberg in Ihrer Kunst?

Fitz In der Vergangenheit habe ich verschiedene Fotoserien erstellt, die sich auf Vorarlberg beziehen, unter anderem die Serie „Dornbirn Houses“ und „Homeland“, doch auch die Vorarlberger Holzbaukunst und der ehrliche Umgang mit natürlichen Materialien haben mich in meinem Schaffen bis heute beeinflusst.

Zur Person

Katharina Fitz

Geboren am 6. 10. 1985 in Dornbirn

Wohnhaft Nottingham, Großbritannien

Familie in Partnerschaft

Motto Auch andere Wege haben schöne Steine.