Der Bregenzer Frühling bot eine Achterbahnfahrt durch Tanz, Musik, Farbe und Bewegung

Kultur / 25.03.2019 • 11:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Compagnie DCA begeisterte im Festspielhaus. Laurent Philippe

Die österreichische Erstaufführung der „Nouvelles Pièces Courtes“ von Philippe Decouflé wurde sehr gut aufgenommen.

Bregenz In der Kürze liege die Würze, das dachte sich auch der französische Multikreative Philippe Decouflé und schuf fünf kleine neue Stücke. Damit war dann auch der Titel gefunden. Denn in seinen „Nouvelles Pièces Courtes“ steckt genau das drin, was auch draufsteht.

Vielleicht muss zum besseren Verständnis noch erwähnt werden, warum man den großen Architekten hinter dieser Produktion, die erstmals in Österreich zu sehen war, zurecht als Multikreativen bezeichnen darf. Philippe Decouflé ist nicht nur Tänzer, er versteht sich ebenso auf Film und Video, liebt Comics, balanciert zwischen Zirkusartistik, Pantomime, konzipiert Choreografien für Musicals, Filme und durchaus auch für Werbeprojekte. Diesen Balanceakt setzt er mit seiner Compagnie DCA natürlich fort, denn er liebe es, „kaum ausführbare Gesten zu erschaffen“, Extremes, Fremdes und Verrücktes in seinen Bewegungen zu kreieren. Das gelingt ihm in seinen fünf neuen Kurzstücken derart elegant und fesselnd, dass sein Publikum mit den Tänzerinnen und Tänzern seiner Compagnie einfach in die Welten abtaucht, die Decouflé entwirft.

Tolle Videoloops

Das beginnt mit einer Dreiecksgeschichte und viel Musik, setzt sich fort in einer wunderbaren Szene, die mit „Das Loch“ überschrieben wird. Wellenartig taucht da einer auf, verschwindet wieder, scheint aussteigen zu wollen, dreht sich und bleibt doch in diesem Bodenlosen, das das Geheimnis des Unergründbaren ausmacht. Verdoppelt, wenn nicht vervielfacht wird das visuelle Erleben durch Videoloops, die parallel zum Tanz den Bewegungen eine zweite, dritte oder vierte Ebene geben. So überschneiden sich und verschwimmen die Grenzen miteinander. Was bleibt, ist ein großes Bild, das staunen lässt. Und das alles in einem schlank konzipierten Bühnenbild von Alban Ho Van, das genauso an die Bauhaus-Ästhetik anknüpft, wie es an die Architektur japanischer Teehäuser erinnert.

Ganz der Poesie gehört die Luftartistik, in der sich der Tanz schließlich im Spiel des Windhauchs verliert. Geradezu martialisch führt Decouflé dann Mann und Frau oder auch das Leben an sich in einer Evolutionsgeschichte gegeneinander, um in einer längeren Japan-Szene von der Reise in eine fremde, verwirrende Welt zu erzählen.

Flavien Bernezet, Julien Ferranti, Alexandra Naudet, Aurélien Oudot, Jules Sadoughi, Suzanne Soler und Violette Wanty: Das sind die Namen und Künstler hinter den faszinierenden Bildberichten, die das Publikum mit Standing Ovations begeistert aufgenommen hat.VF

Der Bregenzer Frühling wird mit „Everyness“ der Compagnie Wang Ramirez am 5. April im Festspielhaus fortgesetzt. www.bregenzerfruehling.com