Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Bauhaus feiert Jubiläum

05.05.2019 • 05:59 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Ab dem 6. Februar 1919 versammelten sich 423 Abgeordneten zur verfassunggebenden Nationalversammlung für 197 Tage im „Deutschen Nationaltheater“ in Weimar. Am Ende der Sitzungszeit war die „Weimarer Republik“ geboren. Sie hielt nicht allzu lange. Nach vielen politischen Fehlleistungen übernahm 1933 Adolf Hitler mit seiner NSDAP die Macht – mit bekanntem furchtbarem Ergebnis.

„Im neuen Bauhaus-Museum kann man sehen, was in diesen wenigen Jahren in Weimar alles passiert ist.“

Das Jahr 1919 brachte für Weimar aber auch ein anderes Ereignis mit bis heute anhaltender positiver Wirksamkeit: Die Gründung des Bauhauses, der wichtigsten Schule für Kunst und Design bis heute. Und zu diesem 100-Jahr-Jubiläum wurde vor kurzem ein neues Bauhaus-Museum eröffnet – Grund genug für uns, nach Weimar zu fahren. Die Berliner Architektin Heike Hanada stellte einen minimalistischen Kubus mit fünf Ebenen neben die Weimarhalle. Es ist ja nicht so, dass es bis jetzt nicht genügend Gründe gegeben hätte, Weimar zu besuchen. Es sollen nur Wieland, Goethe, Herder und Schiller erwähnt sein, die Stars der Deutschen Klassik, die Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts das kleine thüringische Städtchen zum kulturellen Zentrum Europas machten. Also, man hätte nichts mehr zum Ruhm von Weimar unternehmen müssen. Das außerordentliche neue Bauhaus-Museum ist aber trotzdem eine ganz besondere Bereicherung.

Noch vor dem Bauhaus begründete der belgische Designer und Architekt Henry van de Velde das Kunstgewerbliche Seminar Weimar in einem von ihm entworfenen Gebäude, mit dem er „ein Gesamtkunstwerk, das in der Architektur gipfelt“, schaffen wollte. In dieses unglaubliche Haus zog dann Walter Gropius mit dem von ihm gegründeten Bauhaus. Und wiederum versammelten sich in Weimar die Größen dieser Zeit, neben Gropius und van de Velde auch Harry Graf Kessler, Paul Klee, Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky, Oskar Schlemmer oder László Moholy-Nagy, die Design-Pionierin Marianne Brandt und die Meisterin des Textil-Designs, Gunta Stölzl, die alle heute zu den wichtigsten Künstlern des 20. Jahrhunderts zählen. Dem Bauhaus aber ging es ähnlich wie der Weimarer Republik – die Nazis beendeten die Weimarer Jahre 1925, das Bauhaus übersiedelte nach Dessau und dann nach Berlin. Die Machtübernahme der Nazis in Deutschland im Jahre 1933 war das Ende der vielleicht wichtigsten Kunstidee des 20. Jahrhunderts. Im neuen Bauhaus-Museum kann man sehen, was in diesen wenigen Jahren in Weimar alles passiert ist. Und wenn man Lust hat, kann man auch noch einen Sprung bei Goethe und Schiller vorbeischauen.

Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.