Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Ein Fest für Felder

17.05.2019 • 12:43 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Kurz nach dem Gedenken an den 180. Geburtstag (13. Mai 1839) und den 150. Todestag (26. April 1869) von Franz Michael Felder lädt der nach dem Dichter benannte Verein in Schoppernau heute zu einem „Fest für Felder“. Schoppernau ist der richtige Ort für das Fest, denn zeitlebens blieb Felder in der kleinen Gemeinde des Hinterwaldes, er war hier geboren und starb hier – und versuchte dennoch, seinen Kopf weit über die Berge des Tales hinaus zu erheben, um auch Ideen aus der Welt hereinzuholen. Er schaffte das vor allem mit Literatur, war aber ebenso ein ungemein politischer und sozialer Kopf, der es mit heftigsten Widrigkeiten, mit den Kapitalisten, mit der Politik und auch mit der Kirche, aufnahm. So mutet es etwas verwunderlich an, dass Jürgen Thaler, der Leiter des Franz-Michael-Felder-Archivs, in der vor Kurzem präsentierten Neuausgabe von Felders Autobiographie „Aus meinem Leben“ (mit einem Vorwort von Arno Geiger) immer nur vom „Volksaufklärer“ spricht. Genau betrachtet ist das eine Marginalisierung, eine Abwertung gar der politisch-sozialen Anstrengungen von Felder.

„Er schaffte das vor allem mit Literatur, war aber ebenso ein ungemein politischer und sozialer Kopf.“

Das „Fest für Felder“ in Schoppernau beginnt heute um kurz vor zwei mit einem Auftritt des Spielbodenchors und zieht sich dann durch den ganzen Nachmittag an verschiedenen Orten mit dem Abschluss um 20 Uhr mit einer Felder-Rede von Monika Helfer. Höhepunkte könnten die Schilderung seines ersten Kirchgangs werden, ebenso die Auftritte der Theatergruppe des BORG Schoren und der Volksschule Schoppernau, nicht zuletzt die „Nahtstubat“ mit Anton und Philipp Lingg im Schopf des Wohnhauses von Felder.
Es könnte ein spannender Tag mit dem einzigen Problem werden, dass man sich manchmal zwischen zwei Darbietungen entscheiden muss.

Aber nicht nur der Felder-Verein, sondern auch das Felder-Archiv bietet eine Reihe zum Jubiläum – interessanterweise aber gibt es da keine Zusammenarbeit, sondern eher Konkurrenz. Und das ist doch sonderbar, da sich beide Institutionen dem gleichen Zweck – der höheren Ehre Felders – verschrieben haben. Das Felder-Archiv bietet noch bis zum Sommer Lesungen verschiedenster Autoren, unter anderem liest Michael Dangl am 14. Juni im Martinsturm aus Felders „Zwei Geburtstage eines Bäuerleins“. Im Martinsturm deshalb, weil dort, ebenso wie im Stadtmuseum in Dornbirn und im Egg Museum, ab Anfang Juni Ausstellungen zu Franz Michael Felder und seinen Beziehungen zu den jeweiligen Orten gezeigt werden. Könnte spannend werden.

Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.