Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Fast schon ein Leben

28.06.2019 • 18:24 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Das Unternehmen, in dem diese Zeitung erscheint, Russmedia, feiert heute den 100. Geburtstag. Es wird wohl ein großes Fest werden, bei dem viele Interessierte den Tag der offenen Tür nutzen werden, um in Schwarzach einmal einen Blick hinter die Kulissen eines modernen Informationsunternehmens machen zu können.

Mir macht dieses 100-Jahr-Jubiläum persönlichen Spaß. Ganz einfach, weil ich mehr als die Hälfte dieser Zeit in längeren oder kürzeren Abständen in irgendeiner Form bei der Vorarlberger Graphischen Anstalt – so hieß die Firma in der Bregenzer Kirchstraße damals – oder bei den Vorarlberger Nachrichten gearbeitet habe. Es war Anfang der sechziger Jahre, als ich bei einer Druckerei in Hard eine Lehre als Schriftsetzer machte. Es waren keine lustigen Zeiten für die Arbeiter, noch galt die 48-Stunden-Woche, es gab gerade einmal zwei Wochen Urlaub – und dafür eine Lehrlingsentschädigung von wöchentlich 75 Schilling (für die Jugend: Das sind 5,45 Euro). Zu wenig Geld für mich, um auch nur halbwegs über die Runden zu kommen. Ich suchte Möglichkeiten des Zuverdienstes und fand sie bei den VN. Da suchte man für die Nachtstunden einen Ausfahrer, der für gutes Geld die Zeitung zu den weiteren Verteilern brachte. Zweieinhalb Stunden etwa, von zwei bis halb fünf in der Früh. Das rettete mir finanziell die guten Wochenenden. Bis nach zwei Jahren mein Chef hinter die Sache kam und die nächtlichen Ausflüge einstellte.

Nach der Lehre ging ich nach Innsbruck, um dort die Arbeitermittelschule zu besuchen. So nannte man damals das Abendgymnasium, in dem man – bei gleichzeitiger Arbeit am Tag – die Matura nachholen konnte. In den Ferien allerdings war Bregenz angesagt – und da wieder Arbeit bei den VN, im erlernten Beruf, nämlich bei der Zeitungsherstellung. Anfang der siebziger Jahre dann die Rückkehr nach Bregenz und die erste Arbeitsstelle wie gehabt: Schriftsetzer im Seitenumbruch bei den VN.

Dann kam eine längere Pause, um genau zu sein bis zum 2. Jänner 1992. An diesem Samstag schrieb ich meine erste Kolumne, damals noch auf der Schreibmaschine, für die Vorarlberger Nachrichten – und mache das noch heute mit gleicher Freude wie am Anfang. Nach also schon langer Beziehung ein solches Jubiläum mitfeiern zu können, das macht Spaß. Und so freue ich mich auf den heutigen Tag, an dem ich wieder einmal vor Augen geführt bekommen werde, wie sehr sich dieses Unternehmen in den vergangenen Jahrzehnten fit für die Zukunft gemacht hat.

„Nach also schon langer „Beziehung“ ein solches Jubiläum mitfeiern zu können, das macht Spaß.“

Walter Fink

walter.fink@vn.at

Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.