Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Wie unsere Kinder wählen

Kultur / 20.09.2019 • 19:11 Uhr

Es ist gemein, immer nur auf die Freiheitlichen zu hauen und ihnen vorzuwerfen, dass sie ständig am rechten Rand anstoßen, ja mehr noch: die zulässige Grenze überschreiten. So schlimm kann das ja eigentlich nicht sein, ist doch dieser rechte Rand in Österreich – und durchaus auch in Vorarlberg – immer schon in der Mitte der Gesellschaft gelegen. Und da gibt es eben bei den Freiheitlichen einige, die das immer wieder belegen, die uns auch immer wieder zeigen wollen, wie sie sich die Führung eines Staates vorstellen. So, wie uns das der Herbert Kickl vorgeführt hat, so soll das sein. Wer recht hat und was Recht ist, bestimmen wir – schließlich hat das Recht der Politik zu folgen. Nicht umgekehrt. Und was im Staate gilt, das soll natürlich auch im Kleinen, im eigenen Kreis, in der Familie gelten.

Doch halt, das war ja kein Freiheitlicher, der das gefordert hat, das war doch ein Schwarzer. Der Klubobmann der Volkspartei hat doch diesen bedeutenden Satz gesagt, auf dem unsere ganze Erziehung, auf dem geradezu der Erfolg unserer Gesellschaft fußt. Wie war das doch noch? „Es kann ja nicht sein, dass unsere Kinder nach Wien fahren und als Grüne zurückkommen. Wer in unserem Hause schläft und isst, hat auch die Volkspartei zu wählen.“ So ist das, so war das schon immer. August Wöginger, der Chef der VP-Abgeordneten im Parlament, hat das unter heftigem Beifall bei einer Wahlveranstaltung von sich gegeben. In Oberösterreich war das, neben Wöginger saßen Ex-Bundeskanzler und VP-Spitzenkandidat Sebastian Kurz und Landeshauptmann Thomas Stelzer.

„Ja, ja, der Gustl Wöginger, so war der schon immer, ein bisserl aufbrausend und verkürzt in der Argumentation.“ Das sagte mir ein bekennender Schwarzer mit verschmitztem Lächeln. Und so kann man auch mit einem Augenzwinkern hinnehmen, dass Wöginger dem rechtsextremen Magazin „Info-Direkt“ ein Interview gegeben hat. Seine Sprecherin meinte später, Wöginger habe „nicht gewusst, wem er da ein Interview gegeben hat“. So wie ja auch Frau Ursula Stenzel von den Freiheitlichen „nicht gewusst“ hat, dass sie eine Rede bei den Identitären gehalten hat. Sie wissen alle so vieles nicht, man braucht die Hand zwischen Schwarz und Blau nicht mehr umdrehen. Eines aber wissen sie ganz genau: Sie wollen wieder an die Regierung, sie wollen an die Macht, sie wollen an die Tröge. Schlecht könnte einem werden.

„Sie wissen alle so vieles nicht. Eines aber wissen sie ganz genau: Sie wollen an die Macht, sie wollen an die Tröge.“

Walter Fink

walter.fink@vn.at

Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.