Zum Finale ein Applausorkan

Kultur / 06.10.2019 • 17:45 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Sergio Azzolini zählt zu den Stars unter den Barockfagottisten. CSM

Concerto Stella Matutina trat mit dem Fagottisten Sergio Azzolini auf.

Götzis Sergio Azzolini, seit 20 Jahren Professor für (modernes) Fagott in Basel, ist der Weltstar unter den Barockfagottisten. Groß waren deshalb die Vorfreude auf dieses Konzert unter seiner Leitung und mit ihm als Solisten und die Neugier, wie das Orchester mit einem solchen Partner spielen würde.

Schon die einleitende prachtvolle Ouvertüre in C-Dur von Fasch für zwei Oboen, zwei Fagotte und Streicher begeisterte. Vom im französischen Stil gehaltenen ersten Satz an war Azzolini der Impulsgeber, übertrugen sich sein Drive und seine Spielfreude aufs ganze Orchester. Man muss es gesehen haben, wie er das lange Rohr quasi aus der Hüfte spielt wie ein Westernheld, wie er in die Knie geht, sich seinen Mitspielern zuwendet oder bei Steigerungen vom Bass aus alle mitreißt. In den langsamen Sätzen betörte er gemeinsam mit Barbara Meditz mit dem zerbrechlichen, sehnsüchtigen Klang des Barockfagotts. Phänomenal, wie locker und leicht und dann wieder zupackend die begleitenden Streicher und die Continuogruppe artikulierten, wie passgenau Soli und Tutti ineinandergriffen. Im Gespräch mit Thomas Platzgumer erläuterte Azzolini sein Geheimnis, die „Resonanz“. Man solle den Ton werfen und sich dann entspannen – was prächtig funktionierte.

Mitreißend

Das Fagottkonzert des schon zum galanten Stil tendierenden Johann Wilhelm Hertel fesselte mit sturmbewegtem Beginn und flehenden Passagen, zusätzliche Klangfarben konnte man bei Vivaldis Konzert für zwei Trompeten und Fagott mit den bewährten Bläsern Herbert Walser-Breuß und Bernhard Lampert genießen, während in Faschs Konzert in c-moll für zwei Oboen und Fagott Ingo Müller und Elisabeth Baumer im Wechselspiel mit Azzolini ihre solistischen Fähigkeiten zeigten. Zum Höhepunkt wurde Telemanns Konzert in D-Dur mit dem fabelhaften David Drabek als Sologeiger, der mit effektvoll rasanten Akkordzerlegungen bis in die höchsten Höhen mitriss, mit Bernhard Lampert und wieder den beiden Fagotten als Solisten.

Was dann losbrach, war ein Applausorkan, der erst durch einen ruhigen Marsch aus der Bachkantate BWV 207 etwas beruhigt werden konnte. Ulrike Längle

Nächster Termin mit dem Concerto Stella Matutina am 19. Dezember auf der Kulturbühne AmBach in Götzis. Werke von Rossi, Monteverdi und Elam Rotem.