„1917“ und Tarantino-Komödie gewannen bei Golden Globes

Kultur / 06.01.2020 • 10:30 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
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Das Kriegsdrama „1917“ von Regisseur Sam Mendes hat den Golden Globe als bestes Filmdrama gewonnen. Das gab der Verband der Auslandspresse in der Nacht auf Montag in Beverly Hills bekannt. Der Brite Mendes drehte das Werk ohne Schnitte in einer einzigen Einstellung – dafür nahm er auch den Preis für die beste Regie entgegen.

In der Komödien-Sparte siegte „Once Upon a Time in Hollywood“ von Regisseur Quentin Tarantino. Der Film wurde noch mit zwei weiteren Preisen geehrt: Tarantino gewann für das beste Drehbuch, Brad Pitt als bester Nebendarsteller. Die Golden Globes, nach den Oscars Hollywoods wichtigste Filmpreise, wurden in Beverly Hills zum 77. Mal vergeben.

Die 50-jährige amerikanische Schauspielerin Renee Zellweger holte den Golden Globe als beste Schauspielerin in dem Filmdrama „Judy“ über die Schauspiel-Ikone und Sängerin Judy Garland. In der Männerriege gewann der 45-jährige amerikanische Schauspieler Joaquin Phoenix für seine Rolle in dem düsteren Thriller „Joker“ den Globe als bester Drama-Darsteller. Beste Hauptdarstellerin in der Sparte Komödie/Musical wurde die US-Komikerin und Musikerin Awkwafina für ihre Rolle in der Tragikomödie „The Farewell“.

Gleich zwei Auszeichnungen gab es auch für „Rocketman“ über das Leben des Sängers Elton John: Der Brite Taron Egerton gewann den Golden Globe als bester Hauptdarsteller in der Sparte Komödie/Musical – und Elton John selbst wurde für den besten Filmsong geehrt.

Amwärter aus Österreich gab es diesmal nicht. In der Kategorie „Bester nicht-englischsprachiger Film“ siegte der 50-jährige Südkoreaner Bong Joon Ho mit seinem gefeierten sozialkritischen Thriller-Drama „Parasite“.

Der 55-jährige australische Schauspieler Russell Crowe gewann den Preis in der Kategorie als bester Hauptdarsteller in einer Mini-Serie oder einem Fernsehfilm für „The Loudest Voice“. Darin spielt er Roger Ailes, Produzent des rechtskonservativen Fernsehsenders Fox News. Seine Dankesrede nutzte er für einen eindringlichen Appell zur weltweiten Klimapolitik.

„Die Tragödie in Australien basiert auf dem Klimawandel“, ließ Crowe von Laudatorin Jennifer Aniston verlesen. Sie erklärte, er sei wegen der Buschbrände bei seiner Familie in Australien geblieben. „Wir müssen auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse handeln, weltweit unsere Arbeitskraft auf erneuerbare Energien umstellen und unseren Planeten als den einzigartigen und wunderbaren Ort respektieren lernen, der er ist“, zitierte Aniston ihn weiter.

Die 38-jährige Schauspielerin Michelle Williams wurde als beste Hauptdarstellerin in einer Mini-TV-Serie für „Fosse/Verdon“ geehrt. Sie hielt in der Dankesrede ein leidenschaftliches Plädoyer zum Recht auf Abtreibung. Ihre eigene Karriere wäre nicht möglich gewesen, wenn sie nicht hätte entscheiden dürfen, wann und mit wem sie Kinder haben wollte, sagte Williams.

In den Fernsehkategorien gab es ungewöhnlich viele Preisträger, die nicht aus den USA stammen. Zwei Preise gingen an das opulente Familiendrama „Succession“ über einen alternden TV-Mogul. Beste Schauspielerin in einem Drama wurde die Britin Olivia Colman als Queen Elizabeth II. in der Netflix-Serie „The Crown“. In der Comedy-Kategorie gewann BBCs „Fleabag“ als beste Serie.

Bester Komödien-Hauptdarsteller wurde Ramy Youssef für seine autobiografische Serie „Ramy“ über einen US-amerikanischen Mittzwanziger mit ägyptischen Wurzeln. Beste Mini-Serie wurde das US-amerikanisch-britische Atomkatastrophendrama „Chernobyl“ von HBO (Sky).

Zum fünften Mal stand der britische Komiker Ricky Gervais als Gastgeber auf der Bühne. Er führte erneut mit vielen kontroversen Sprüchen durch den Abend. „Es war ein großes Jahr für Pädophilie-Filme. „Surviving R. Kelly“, „Leaving Neverland“, „The Two Popes““, sagte Gervais zu Beginn der Verleihung zu Filmen über R. Kelly, Michael Jackson und die römisch-katholische Kirche.

Als einige der Anwesenden darüber das Gesicht verzogen, sagte der Brite: „Haltet den Mund! Ist mir egal“. Zur Serie „Morning Show“, die beim Streamingdienst Apple+ läuft, bemerkte Gervais: „Ein fantastisches Drama darüber, wie wichtig es ist, Würde zu bewahren und das Richtige zu tun – gemacht von einer Firma, die in China Sweatshops betreibt.“ Apple-Vorstandschef Tim Cook war ebenfalls im Saal und wahrte ein ruhiges Gesicht. Gervais ergänzte: „Die Unternehmen, für die ihr arbeitet: Apple, Amazon, Disney (…) Wenn ISIS einen eigenen Streamingdienst starten würde, würdet ihr euren Agenten anrufen.“

Gervais ist für seine bissigen Moderationen berühmt. Er leitete am Sonntag den Abend ein mit: „Zum Glück kann die Hollywood Foreign Press Association kaum Englisch und sie haben keine Ahnung, was Twitter ist.“

Zwei Ehrenpreisträger standen im Voraus schon fest. Die US-Moderatorin Ellen DeGeneres erhielt den Carol-Burnett-Preis als Ehrung für besondere TV-Persönlichkeiten. Tom Hanks wurde mit dem Cecil B. DeMille Award für sein Lebenswerk gewürdigt.

Über die Auszeichnungen des Verbands der Auslandspresse (HFPA) in 25 Film- und Fernsehkategorien entscheiden rund 90 internationale Journalisten, die seit langem in Hollywood arbeiten. Bei den Oscars stimmen fast 9.000 Filmschaffende ab. Die Academy Awards werden am 9. Februar vergeben.