Als das Festen noch geholfen hat

Das Wälderbähnle wurde anno 1902 von Tausenden Menschen begrüßt.
Egg Sie kamen zu Fuß, mit dem Fuhrwerk, zu Pferd, interessanterweise auch in großer Zahl mit dem Fahrrad und selbstverständlich auch als Passagiere des Wälderbähnles. Denn dass die Errichtung der Bregenzerwaldbahn bzw. die Inbetriebnahme im Jahr 1902 eine große Region in Vorarlberg nachhaltig verändert hat, steht wohl außer Frage. Und das musste auch gefeiert werden. Am 21. und 22. September fand deshalb in Egg ein riesiges Volksfest statt, das zu einer Menschenansammlung führte, wie man sie dort zuvor wohl noch nie erlebt hat. Rund 15.000 Besucher sollen gezählt worden sein, berichtet der Kunsthistoriker Tobias G. Natter, der eine Fotografie aus einer Vorarlberger Privatsammlung vor sich hat. Das Bild wurde von jenem Thaddäus Immler aufgenommen, der bereits Jahrzehnte davor in Bregenz ein Fotogeschäft eröffnet hatte und das Fotogeschehen in Vorarlberg entscheidend mitprägte.

Zu sehen ist der Festumzug, der zu diesem Anlass organisiert wurde. Dabei sollten die Sitten und Gebräuche aus mehreren Jahrhunderten im Bregenzerwald dargestellt werden. Erwähnt wurde offensichtlich auch die Geschichte der Gerichtsbarkeit, jedenfalls wurde einer der Wagen mit einem Galgen bestückt, der einem Verurteilten in der dramatisch nachgestellten Szene droht.
Wälder Amazonen
Großes Augenmerk galt dabei selbstverständlich auch den Trachten. Und wie bei Volksfesten üblich, wurden Postkarten aufgelegt, die noch lange daran erinnern sollten oder mit denen Daheimgebliebene gegrüßt wurden. Eine dieser Karten ist als Darstellung der Wälder Amazonen in die Geschichte eingegangen. Festgehalten ist die nachgespielte Szene aus dem Dreißigjährigen Krieg. Damals, gegen Ende dieses grausamen Krieges, in dessen Verlauf die Soldaten plündernd und mordend durch die Dörfer zogen, sollen sich Bregenzerwälderinnen mit Sensen, Gabeln und Schwertern erfolgreich zur Wehr gesetzt haben. Der Legende nach hat auch die weiße Tracht gewirkt, die die Frauen wie überirdische Wesen erscheinen ließ.
Abgesehen davon, dass auch eine kleine Postkarte Anlass dazu gibt, über das Sujet der wehrhaften Frau in der bildenden Kunst nachzudenken, das etwa besonders in der Renaissance, aber eben auch im Fin de Siecle aufgegriffen wird, ist das immer noch eine sehr spannende Geschichte. VN-cd