Das ausgehungerte Kunsthaus

Kultur / 06.06.2020 • 08:00 Uhr
Beiträge des Landes an die Vorarlberger Kulturhäuser und die Kulturhäuser Betriebsgesellschaft. <span class="copyright">VN/Steurer</span>
Beiträge des Landes an die Vorarlberger Kulturhäuser und die Kulturhäuser Betriebsgesellschaft. VN/Steurer

Die regional ausgerichteten Kuges-Betriebe sind weit höher dotiert als das KUB mit der internationalen Strahlkraft.

Bregenz Betrachtet man die Projekte, die so gestaltet sind, dass sie für das stehen können, was das Kunsthaus Bregenz ausmacht, so gibt es heuer nur eineinhalb statt vier. Und das ist bei genauer Sicht nicht nur auf die Covid19-Pandemie zurückzuführen. Die im Jänner gestartete Ausstellung mit Arbeiten der US-amerikanischen Künstlerin Bunny Rogers musste durch den Lockdown vor Ablauf der Zeit beendet werden, der Schweizer Peter Fischli kommt im Herbst und bleibt bis Ende des Jahres. Ob der ausgeladene Anri Sala, mit dessen Arbeiten eine Ausstellung im Sommer geplant war, im nächsten Jahr im Programm ist, wollte KUB-Direktor Thomas D. Trummer nicht bestätigen. Man sei zu Flexibilität gezwungen, sagt er im Gespräch mit den VN. Das beweist auch die Ausstellung zur Wiederöffnung in dieser Woche. Wie berichtet, sind Arbeiten mehrerer namhafter Künstler zu sehen, die zum Großteil erst während der Krise entstanden sind. Sie ist in ihrer Art sicher einzigartig, entspricht aber bei weitem nicht dem KUB-Konzept.

Hoher Eigenanteil

Dieses Ausstellungsunternehmen trifft die Krise auch härter als etwa das Vorarlberg Museum, das ebenfalls zur Kulturhäuser Betriebsgesellschaft (Kuges) zählt. Der Eigenanteil am Gesamtbudget ist im KUB höher, bei längerem Ausfallen von Einnahmen über Eintritte oder den Verkauf von Katalogen und Editionen reduzieren sich diese rund 900.000 Euro aber erheblich. Dass sich die Subventionssumme für das KUB, die bei rund 2,8 Millionen Euro liegt, in den letzten zehn Jahren zu einem wesentlich geringeren Prozentsatz erhöht hat als das beim Museum der Fall ist, das mittlerweile gut vier Millionen Euro erhält, bezogen die jeweiligen Kulturlandesräte bislang auf den Ausbau des Museums. Ein deutlicher Schub erfolgte 2013 zur Eröffnung des neuen Hauses und dann ging es dort sukzessive weiter. Museumsdirektor Andreas Rudigier betont sogar eigens, dass sich die Ausstellungsfläche nach dem Umbau nicht erhöht hat. Auf den Veranstaltungsräumen, die ihm solche Flächen nehmen, beharrt er aber. Vorträge und vor allem auch zahlreiche Konzerte anzubieten, zähle zur Ausrichtung des Unternehmens, man wolle auch wissen, wie Vorarlberg klingt. Dass er sie zu günstigeren Konditionen anbieten kann als etwa Musikveranstalter, auf diese Diskussion will er sich nicht einlassen. Bei Vorarlberger Musikern sei der VM-Saal sehr begehrt.

Das Landestheater liegt mit dem Museum nun etwa gleichauf. Ein Haus der darstellenden Kunst ist aber nur mit einem solchen zu vergleichen. Ein deutlicher Anstieg der öffentlichen Beiträge zeigt sich auch beim Kuges-Büro selbst, für das mittlerweile rund 700.000 Euro an Landesmitteln gebraucht werden.

Bleibt das KUB in der Topliga?

Das KUB spielt weltweit in der Topliga, betont Thomas D. Trummer. Egal, in welche Metropole er komme, man kenne das Haus in Bregenz überall. Insider sind, so hört man, besorgt, ob das angesichts der Dotierung im Vergleich zum regional ausgerichteten Vorarlberg Museum weiterhin der Fall sein kann. Trummer kam nach Yilmaz Dziewior, der nun das Museum Ludwig in Köln leitet und ist seit fünf Jahren in Vorarlberg. Die nicht nur von den Besuchern her erfolgreichste Schau gelang ihm zum 20-Jahr-Jubiläum im Sommer 2017 mit Adrián Villar Rojas. Schon damals musste man danach trachten, jede Menge Partner für die Finanzierung dieses großen Projekts zu finden, denn für die Ausstellungen selbst bleibt nach Abzug der Personal-, Technik-, aber auch Transport- und Versicherungskosten nur noch ein Bruchteil des Budgets. Gelegentlich ist es auch wichtig, Außenprojekte zu realisieren. Die Gormley-Skulpturen in der Arlbergregion sind vielen bestens in Erinnerung. Mit Anri Sala wollte man aus dem Haus gehen. Nur unter Umständen sind solche Ideen weiterhin verfolgbar.