“Das Publikum ist ausgehungert”

Kultur / 18.11.2020 • 18:56 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Auch „Lonely Ballads!“, die neue Produktion des Aktionstheaters, musste verschoben werden. Aktionstheater Ensemble
Auch „Lonely Ballads!“, die neue Produktion des Aktionstheaters, musste verschoben werden. Aktionstheater Ensemble

Kulturbetriebe sind wieder dazu gezwungen umzuplanen und stellen sich auf längere unsichere Zeiten ein.

Dornbirn, Hard Die Coronamaßnahmen haben das kulturelle Leben im Land zum zweiten Mal weitestgehend lahmgelegt. In der Zeit des Veranstaltungsverbots ist von den Kultureinrichtung einmal mehr Flexibilität und Kreativität gefragt. Viele Veranstaltungen wurden in der Hoffnung auf eine Besserung vom Frühjahr in den Herbst verschoben, die neuen Verordnungen zwingen Kulturschaffende nun zur erneuten Umplanung. „Wir sind zwar mittlerweile routiniert flexibel, aber langsam gehen Perspektivlosigkeit und Unsicherheiten an die Substanz und wirken demotivierend. So viel Herzblut, das in unseren Planungen und Überlegungen steckt, war umsonst“, bedauert Spielboden-Geschäftsführerin Heike Kaufmann. Die Zeit nutzt das Team unter anderem dazu, die Räumlichkeiten Instand zu halten, Liegengebliebenes aufzuarbeiten und Ideen weiterzuspinnen. „Langweilig wird uns nicht, aber wir vermissen den Austausch und den direkten Kontakt zu unserem Publikum.“

Außenbereich im Fokus

Gemäß dem Motto „Nix ist fix“ habe man sich mittlerweile auf ein weiterhin sehr unsicheres Jahr 2021 eingestellt. Dahingehend habe man auch Veranstaltungen und Formate angepasst. Statt einer gewohnt langen Sommerpause soll nächstes Jahr weit in die Sommermonate hineingespielt und der Außenbereich verstärkt genutzt werden. „Die noch freien Termine für kommendes Jahr sind jedenfalls bereits äußerst rar“, sagt Kaufmann. Sie geht davon aus, dass sich der Lockdown für Kultureinrichtungen auch über den gesamten Dezember erstrecken wird, davon betroffen wären insgesamt rund 70 Veranstaltungen. Bereits verschoben werden musste etwa das tanz ist Festival und die neue Produktion des Aktionstheaters. Die Theaterpremiere sowie sämtliche Konzerte, Poetry Slams oder Filmvorführungen sollen 2021 nachgeholt werden. Für Kaufmann ist der Spielboden ein Haus, das vom direkten Austausch mit seinem Publikum und vom gemeinsamen Miteinander lebt. Dennoch bietet das Team aus Mangel an Alternativen Events wie das Diskursformat „Neue Spielräume“ digital an. „Ein gleichwertiger Ersatz für das ausgefallene Programm sind solche Events aber nicht“, sagt Kaufmann.

Reduziertes Programm

Als turbulente Zeit beschreibt auch Lucas Bitschnau die Situation in der Kammgarn in Hard. „Wir haben uns nach der Absage des Frühjahrprogramms relativ schnell dazu entschlossen, dass wir erst wieder im Herbst 2021 in einen regulären Spielbetrieb gehen werden“, erklärt Bitschnau und sieht darin heute einen Vorteil. In der Zwischenzeit setzte das Team auf ein reduziertes Programm mit regionalen Künstlern, um jederzeit auf die aktuellen Gegebenheiten reagieren zu können. Im Herbst wurden Veranstaltungen mit fix zugewiesenen Sitzplätzen und eingeschränkter Besucherzahl unter Vorlage eines Präventionskonzepts durchgeführt. „Statt 300 Personen, konnten wir nur noch 80 Besucher empfangen“, erklärt Bitschnau. Auch auf die folgende Sperrstundenverkürzung und schließlich das komplette Verbot des Barbetriebs musste das Team innerhalb kürzester Zeit reagieren. Bitschnau rechnet damit, dass das Veranstaltungsverbot bis zumindest Ende Dezember aufrecht bleibt.

Auch wenn die Veranstaltungen in der Kammgarn im Herbst wirtschaftlich ein Defizit eingebracht haben, sah es Bitschnau als seine Aufgabe als Kulturveranstalter, den Betrieb weiterhin unter Einschränkungen aufrechtzuerhalten. „Man hat gemerkt, dass das Publikum ausgehungert ist, das war unsere Motivation. Trotz Restriktionen haben sich die Besucher gefreut, Kultur in Echt erleben zu dürfen.“

„So viel Herzblut, das in unseren Planungen und Überlegungen steckt, war umsonst.“

"Das Publikum ist ausgehungert"

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