Sperrt die Museen endlich wieder auf

Kultur / 30.11.2020 • 21:54 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Bald soll der „Lockdown hart“ angeblich zu Ende gehen, wenn auch die bislang beunruhigend langsam zurückgehenden Infektionszahlen anderes vermuten lassen. Bis dahin sind die Museen jedenfalls geschlossen. Dafür gibt es jedoch keinen nachvollziehbaren vernünftigen Grund gibt. Es soll uns einmal jemand erklären, dass Supermärkte, in denen eine Unzahl von Personen tagtäglich aufeinandertreffen, sicherer sein sollen als Museen, die nicht nur über gute Entlüftungen verfügen, sondern sehr wohl auch in der Lage sind, die Besucherströme so zu steuern, dass eine beschränkte Zahl von Besuchern sicheren Zugang in seine Räumlichkeiten findet.

Die meisten Museen Englands werden Anfang Dezember wieder öffnen und zeigen auf, wie das unter Einhaltung aller hygienischen und medizinischen Auflagen gehen kann. Man meldet sich für einen bestimmten zeitlichen Slot an und wird dann mit einer beschränkten Anzahl anderer Besucher für einen limitierten Zeitraum eingelassen.

Machbar, wenn man sich nicht wie in Österreich auf längst überholte bürokratische Kriterien festnagelt, wie der Einreihung der Museen unter die Freizeiteinrichtungen, zu denen von Sportstadien über den Prater bis hin zu Tanzveranstaltungen Aktivitäten gezählt werden, die mit Nähe und physischem Engagement verbunden sind, aber mit dem Besuch von Museen herzlich wenig gemein haben. Vom Offenhalten von Waffengeschäften und den hierfür abgegeben abstrusen Begrüdungen ganz zu schweigen. Museen sind Orte des Geistes und der Erinnerung, wissenschaftliche Einrichtungen, die enorm viel zu unsere Kultur und Geschichte beitragen, Orte unserer geistigen Bildung und ja auch Erfüllung. In Museen kann Abstand gehalten werden, und selbstverständlich können Kunstwerke auch mit Maske studiert und genossen werden.

Für viele von uns zählen zu den Grundbedürfnissen nicht nur das Essen und Trinken, sondern auch Kunst und Kultur. Dazu gehört auch der Besuch von Museen als wunderbare Begegnung mit der Geschichte und Gegenwart von Kunst, ihrer Ideen und Schönheit. Orte, an denen wir und vor allem auch unsere Kinder mehr über uns und unsere Welt, darüber, ,woher wir kommen und auch wohin wir gehen, erfahren können. Gerade in der Tristesse der Coronapandemie wäre ein wenig geistige Nahrung und Zeitvertreib ein dringend notwendiger Stimmungsaufheller.

Sehr geehrte Politiker/innen: Seid nicht ignorant. Sperrt die Museen wieder auf!

„Machbar, wenn man sich nicht wie in Österreich auf längst überholte bürokratische Kriterien festnagelt, wie der Einreihung der Museen unter die Freizeiteinrichtungen, die mit dem Besuch von Museen herzlich wenig gemein haben.“

Gerald Matt

gerald.matt@vn.at

Dr. Gerald Matt ist Kulturmanager und unterrichtet an der Universität für Angewandte Kunst in Wien.

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