Neues über Franz Michael Felder: Er war auch für Frauenrechte

Kultur / 11.04.2021 • 09:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Neues über Franz Michael Felder: Er war auch für Frauenrechte
Das Drama „Sprich nur ein Wort“ von Maximilian Lang wird vom Vorarlberger Landestheater in der Regie von Berenice Hebenstreit uraufgeführt.  LT/KÖHLER

Der Vorarlberger Autor Maximilian Lang hat ein Stück über Franz Michael Felder verfasst.

Bregenz, Schoppernau Als Franz Michael Felder (1839-1869) mit seinem Schwager, dem Beamten Kaspar Moosbrugger (1830-1917) im Jahr 1866 die „Vorarlberg’sche Partei der Gleichberechtigung“ gründete, ging es in erster Linie um die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Bauern, Arbeitern und Handwerkern. Den Frauen Rechte als Mitglieder der Gesellschaft einzuräumen, daran war laut Geschichtsschreibung nicht gedacht. „Stimmt nicht ganz“, erklärt Maximilian Lang. Felder, mit der klugen Anna Katharina verheiratet, habe sich mit seinem Vorschlag zwar nicht durchgesetzt, aber aus einem Brief an Moosbrugger gehe hervor, dass er die Frauen berücksichtigen wollte.

„Ich habe damit gesagt, was ich sagen wollte und was mir wichtig war.“

Maximilian Lang, Schriftsteller

Der Bregenzer (geb. 1986) konnte mit 19 sein Debüt als Dramatiker feiern, das Theater Kosmos führte sein Stück “Herbst und Winter” auf und widmete sich später auch seinen weiteren Arbeiten. Für ein Ausstellungsprojekt über Felders weit über die Landesgrenzen hinausreichenden Netzwerke, das vor zwei Jahren an verschiedenen Orten Vorarlbergs realisiert wurde, verfasste Lang einige Texte. Ein Stückauftrag des Landestheaters führte nun zum Werk “Sprich nur ein Wort”, das am Freitag uraufgeführt wird. Felder selbst auftreten zu lassen, eine solche Idee, hat Maximilian Lang rasch verworfen. Die Vereinnahmungen des Dichters und Sozialreformers durch die Politik, bis hin zu den Nazis, sind ein Ärgernis. Lang will auch keiner weiteren Ikonisierung Vorschub leisten. Schmunzelnd erwähnt er, dass er während der Arbeit den Eindruck gewann, dass man in Vorarlberg durchaus Vorbehalte hätte, wenn der Autor eines Felder-Stücks kein Landsmann ist.

Ganz Europa in Schoppernau

Wie Felder wohl heute angesichts des Abbaus des Wohlfahrtsstaates agieren würde, diese Frage hat er sich als Autor nicht konkret gestellt. Vielleicht stellt sie das Theaterpublikum, das Lang in eine Gasthofstube in Schoppernau führt. Sieben Jahre nach dem Tod liegt dort ein Denkmal, um dessen Aufstellung ein Streit entbrannt ist. Kaspar Moosbrugger tritt auf, der “interessanterweise”, wie der Autor erzählt, als einst ausgesprochen kämpferisch Agierender nach Felders Tod wieder mehr oder weniger verstummt ist. Pfarrer Rüscher, als personifiziertes Bollwerk gegen den aufkommenden Liberalismus ein vehementer Gegner Felders, der den Dichter quasi zum Teufel wünschte, erscheint im Stück mit eher ambivalenter Haltung. “Ohne Schattierung wäre er eine Karikatur geworden”, erklärt Lang. Der Autor sieht den Konflikt Felders mit der Kirche auch in einer größeren Dimension. “Dieser Streit zwischen Klerikalen und Liberalen, der da in Schoppernau ausgetragen wurde, war ein europäischer Streit, das ist ebenso interessant.” Beachtenswert seien zudem die Mittel, derer sich Felder bediente, wenn er über die Medien auf Konfrontation zum Klerus ging.

Von Maximilian Lang wurden mehrere Stücke im Theater Kosmos in Bregenz uraufgeführt, vom Landestheater erhielt er einen Stückauftrag zum Thema Franz Michael Felder. <span class="copyright">Maria Noi</span>
Von Maximilian Lang wurden mehrere Stücke im Theater Kosmos in Bregenz uraufgeführt, vom Landestheater erhielt er einen Stückauftrag zum Thema Franz Michael Felder. Maria Noi

Ab 12. April veranstalten Landestheater, Felder-Archiv und Felder-Verein übrigens eine Zoomkonferenz zu Franz Michael Felder.

Uraufführung “Sprich nur ein Wort” am 9. April, 18 Uhr, im Theater am Kornmarkt in Bregenz. Aufführungen am 10. April, 15 und 18 Uhr und weitere: landestheater.org