Weil noch viel möglich ist

Kultur / 07.07.2021 • 22:09 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Mit Shakespeares „Hamlet“ hat sich Thomas Welte aus Bludenz verabschiedet. In Hohenems wird man sich zeitgenössischer Literatur widmen. lerch
Mit Shakespeares „Hamlet“ hat sich Thomas Welte aus Bludenz verabschiedet. In Hohenems wird man sich zeitgenössischer Literatur widmen. lerch

Die auf mehrere Jahre angelegte Poligonale bietet Freilufttheater und Autorenförderung.

Hohenems Der Autor und Theatermacher Thomas Welte ist in Vorarlberg längst ein Begriff. Vor Jahren offenbarte er mit dem Stück „Das Verhör“ Schicksale in der unmittelbaren Nachkriegszeit in Vorarlberg, später unterhielt er auf dem selben Podium genderspezifisch mit „Moustache“, und als umfangreichstes Projekt wurde mit Shakespeare am Berg ein Festival gegründet, in dessen Rahmen Werke des Dramatikers in besonderer Form umgesetzt wurden. Das war in Bludenz und das lief so lange erfolgreich, bis sich die Stadt nicht mehr als verlässlicher Partner erwies. In Hohenems behielt man das Potenzial des kleinen Ensembles, mit dem Welte eine Reihe von großen Produktionen stemmte, im Auge. Schon im Vorjahr war der Start der Zusammenarbeit geplant. Der Grund der Verzögerung ist hinlänglich bekannt.

Nachdem nun aber das Coronavirus einigermaßen in Schach gehalten werden kann, wird unweit des Schlossplatzes zum Festival Poligonale gerufen. Der von einer geometrischen Figur abgeleitete Name steht, so Thomas Welte, einerseits für die Vielfalt des Programms, er macht aber auch die noch nicht ausgeschöpften Möglichkeiten bewusst und verweist andererseits zum Auftakt auch auf den Umstand, dass Technik zum Einsatz kommt. Neben zwei großen Theaterproduktionen soll auch ein Miniformat mit dem Titel „The Conversation“ umgesetzt werden, das mittels VR-Brille zu erleben ist.

Geschichte der Stadt

Die Theatertradition in Hohenems reiche bis ins 16. Jahrhundert zurück, betonte Bürgermeister Dieter Egger bei der Präsentation der Vorhaben. Es freue ihn aber besonders, dass der Fokus des Ensembles X, wie Thomas Welte nun seine Crew nennt, dem zeitgenössischen Theater gilt. Dass ein neuer Text auch als Aufforderung zur Auseinandersetzung mit der Geschichte und auch der Geschichte der Stadt anregt, in der bis in die 1940er-Jahre jüdisches Leben verankert war, zeichnet das erste Programm aus. Im Stück „Die Puppenmacherin“ werden Figuren zwanzig Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Vergangenheit konfrontiert. Mit der Uraufführung am 29. Juli im Hof der Volksschule Markt wird das Festival gestartet. Es spielen Katrin Jaehne und Pan Selle, Thomas Welte inszeniert selbst.

Ein wesentliches Anliegen ist es Thomas Welte, Arbeiten Vorarlberger Theaterschaffender in das Programm zu integrieren. Das bekannte Ensembles dieherold.fliri.at zeigt das Stück „Große Töchter“, das die Biografien von österreichischen Künstlerinnen, Politikerinnen oder Architekten in ein adäquates Licht rückt. Ein Umstand, der in der Geschichtsschreibung bislang nicht immer Berücksichtigung findet.

Autoren fördern

Ein wesentlicher Bestandteil der Poligonale sind die Masterclasses. Welte geht es dabei um die Förderung von Nachwuchsautorinnen und -autoren. Dabei sollen kurze Hörspiele und Dramen verfasst, entwickelt und schließlich auch aufgeführt werden. Um dieses Format zu etablieren und auszubauen, wird mit dem im Aufbau befindlichen Literaturhaus in Hohenems zusammengearbeitet. VN-cd

„Es ist uns wichtig, das Festival auch thematisch in der Stadt zu verankern.“

Weil noch viel möglich ist

Die Poligonale beginnt mit der Uraufführung von “Die Puppenmacherin” am 29. Juli, das Festival dauert in Hohenems bis 15. August: poligonale.com