Einblick in die Opernmeisterklasse: „Er will nicht Liebe, er will Sex“

Kultur / 16.07.2021 • 21:02 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Einblick in die Opernmeisterklasse: „Er will nicht Liebe, er will Sex“
Meisterklasse Brigitte Fassbaender mit den jungen Künstlerinnen des Opernstudios. BF/FORSTER

Die Meisterklasse von Brigitte Fassbaender im Rahmen der Bregenzer Festspiele macht Lust auf die Rossini-Oper „Die Italienierin in Algier“.

Bregenz Was für ein wunderbares Instrument ist doch die menschliche Stimme! Nach der Corona-Ohrenfastenzeit war es ein besonderes Vergnügen, in der Meisterklasse von Brigitte Fassbaender den internationalen jungen Sängerinnen und Sängern zuzuhören, die ab dem 16. August Rossinis „Die Italienerin in Algier“ beim Opernstudio der Bregenzer Festspiele auf die Bühne bringen werden, in der Regie von Brigitte Fassbaender selbst. Für die Mitwirkenden muss es ein absolutes Highlight sein, von einer solchen Kapazität unterrichtet zu werden, für das Publikum ist es ebenso lehrreich wie unterhaltsam. „Nicht in den Schlund denken, nach vorne denken, das wissen die Herrschaften auch schon, die jedes Jahr da waren“, so eines ihrer Bonmots.

Am Flügel war Maria Fitzgerald eine temperamentvolle Begleiterin.

„Ein ganz verrücktes Stück“

Nach einer flotten Ensemblestelle aus dem ersten Akt konnte man in einem Duett der Sopranistin Sarah Yang und des Baritons Alberto Comes gleich einmal lernen, dass es wichtiger ist, den Charakter der Figur auszudrücken, als schön zu singen. Hinreißend dann die sibirische Mezzosopranistin Maria Barakova mit der Arie „Cruda sorte“ der Hauptfigur Isabella: ein absolutes Bühnentier mit prachtvoller Stimme, großer Gestaltungsgabe und staunenswerter Leichtigkeit bei der Artikulation der Koloraturen. Im Duett mit dem Bariton Pierpaolo Martella musste dieser die Hände in die Hosentaschen stecken, um nicht immer die gleichen Gesten zu machen, in einer Arie kam sein komödiantisches Talent gut zur Geltung. Alberto Comes mit seinem metallischen, noch etwas unflexiblen Bariton brachte dann eine „schreckliche Arie“ des Mustafa zu Gehör, die Fassbaender so charakterisierte: „He does not want love, he wants sex“, er solle an einer Stelle „wiehern wie ein Hengst“. Sehr sattelfest wirkte die Mezzosopranistin Florence Losseau als Zulma. Eine besondere Begabung ist der kanadische Tenor Spencer Britten, der sich mit einer extrem schweren Arie des Lindoro als „geborener Rossini-Tenor“ entpuppte, der die Belcantophrasen und Sehnsuchtsseufzer elegant und innig sang. Der polnische Bass Hubert Kowalczyk überzeugte in einer ebenfalls sehr schweren Arie mit schönem Stimmmaterial.

Den Abschluss bildete das rasante Finale des ersten Aktes, ein „ganz verrücktes Stück“, aus dem „die armen Regisseure etwas machen müssen“. Dass Brigitte Fassbaender da etwas einfallen wird, daran zweifelt niemand. Ulrike Längle

Festspielproduktion „Die Italienerin in Algier“ von Rossini, Theater am Kornmarkt, 16., 18., 20. und 21. August, jeweils 19.30 Uhr