Keinerlei Publikumsschwund

Kultur / 11.11.2021 • 22:30 Uhr
Wettbewerbssieger bespielen Schloss Amberg.

Wettbewerbssieger bespielen Schloss Amberg.

Die Komprimierung der Montforter Zwischentöne hat sich bewährt, in Diskussion ist ein neuer Hochschullehrgang.

Feldkirch „In Vorarlberg ist das Interesse des Publikums noch groß“, hält Folkert Uhde gleich einmal fest. Der Kulturmanager und Konzertgestalter ist neben seinen vielseitigen Tätigkeitsbereichen in Deutschland (darunter auch als Lehrender) gemeinsam mit dem Vorarlberger Hans-Joachim Gögl seit nunmehr sechs Jahren Leiter der Montforter Zwischentöne. Die Umstrukturierung der dreigeteilten Veranstaltungsreihe in ein einmal im Jahr stattfindendes Festival wird von beiden bereits zum jetzigen Zeitpunkt als positiv bewertet. Die Zwischentöne haben gerade begonnen, zentrale Projekte wie die Aufführungen einer theologisch kommentierten h-Moll-Messe von Bach stehen kurz vor dem Start. Sich Zeit für Reflexion zu genehmigen oder ein Innehalten, das mit der Jahreszeit einhergeht und das quasi als Motto über der Reihe steht, scheint einem Bedürfnis vieler Menschen zu entsprechen. Ein wesentlicher Aspekt für Uhde und Gögl ist auch die Verankerung in der Region. Dazu zählt etwa die Kooperation mit dem Ensemble Concerto Stella Matutina oder dem Kammerchor Feldkirch, zu dessen positiver Entwicklung Benjamin Lack, der von beiden hochgeschätzte Dirigent, Wesentliches beigetragen habe.

Als das Montforthaus als Veranstalter noch „Naturalleistungen“ beigesteuert, beispielsweise die Technik zur Verfügung gestellt habe, sei einiges einfacher gewesen, der höhere Aufwand, den Uhde und Gögl nun in ihrer Eigenständigkeit zu leisten haben, kompensiere sich allerdings über die Tatsache, dass die Aufführungsorte frei wählbar sind.

Neue Konzertformate

Ihr Fokussieren einer Konzertdramaturgie oder die Betonung von Veranstaltungsformaten, die auch im erfolgreich durchgeführten Hugo-Wettbewerb für Studierende sichtbar wird, führt dennoch zu Fragestellungen. Mit Einwänden von Menschen, die Musik am liebsten in Ruhe genießen wollen und auch keinerlei Erläuterungen bedürfen, waren sie bereits konfrontiert. Die Musik spreche zwar für sich, aber nicht zu allen, bringt Folkert Uhde das Thema im Gespräch mit den VN auf den Punkt. Dass sich das klassische Konzertformat nach wie vor bewährt, wollen beide nicht von der Hand weisen, Fakt sei aber auch, dass viele junge Leute mit klassischer Musik nichts mehr anfangen können. „Es geht uns auch darum, Resonanzräume zu bauen“, erklärt Uhde und erläutert, dass ein Jugendlicher alles, was im Musikunterricht der Pflichtschulen unterrichtet wird, erst dann wirklich aufnehmen kann, wenn die anspruchsvolle Musik auch im privaten Umfeld zumindest ein Thema ist. Die grundsätzliche Kürzung der Kreativfächer käme erschwerend hinzu und obwohl man in Vorarlberg, wie Gögl betont, eine hervorragende Musikschuldichte aufgebaut hat, seien Defizite auch hier bemerkbar. Andererseits sei auch Erwachsenen zu begegnen, die zwar durchaus neugierig wären, aber sich vor Konzertbesuchen scheuen, weil sie Angst davor haben, dass sie zu wenig verstehen könnten.

Lehrfach an der Privathochschule

Auch diesbezüglich könnten neue Konzertformate hilfreich sein. Mittlerweile ist bekannt, dass das Vorarlberger Landeskonservatorium im Zuge der Umwandlung in eine Privathochschule, die bis zum Herbst nächsten Jahres erfolgt sein soll, auch die Studiengänge ausbaut. Dass in Feldkirch Konzertdesign unterrichtet wird, ist bereits thematisiert worden. Gögl und Uhde betonen, dass man sich bislang erst auf einer reinen Gesprächsebene befindet, bekunden aber, involviert zu sein. Übrigens: Mit dem erwähnten Hugo-Wettbewerb schert man zeitlich aus dem November-Termin aus. Die nächste Ausschreibung erfolgt demnächst. Im Frühjahr wird vor Publikum entschieden, wer ins Finale kommt.

„Wir entwickeln gewiss keine neuen Konzertformate nur der Formate wegen.“

„Es gibt überall Einbrüche beim Publikumsinteresse. In Vorarlberg ist es noch groß.“

In der Nachruf-Reihe tritt Robert Pfaller auf.
In der Nachruf-Reihe tritt Robert Pfaller auf.
Folkert Uhde und Hans-Joachim Gögl haben die Montforter Zwischentöne umstrukturiert. jochum, Marin, Stiplovsek
Folkert Uhde und Hans-Joachim Gögl haben die Montforter Zwischentöne umstrukturiert. jochum, Marin, Stiplovsek

Nächste Veranstaltungen: Philosoph Robert Pfaller (12. November), h-Moll-Messe von Bach (19. und 20. November), Hugo-Wettbewerbs-Sieger (28. November).