Das bringt Esprit ins Streaming-Geschehen

Kultur / 12.12.2021 • 18:15 Uhr
Das bringt Esprit ins Streaming-Geschehen
Das Musikvideo „Heute kein Forellenquintett“ bleibt über www.pforte.at abrufbar.  kenichi Kawabata

“Heute kein Forellenquintett” von Klaus Christa ist als Musikvideo eine echte Entdeckung.

Feldkirch In einem während des Lockdowns produzierten Musikvideo zu beanstanden, dass die Menschen und vor allem die Musikliebhaber einander nur noch im virtuellen Raum begegnen können, geht das? Es geht. Mehr noch, die von Klaus Christa spontan initiierte Produktion “Heute kein Forellenquintett” erweist sich selbst unter den vielen qualitätsvollen Streaming-Angeboten verschiedener Theater- und Musikgruppierungen als besonderer Lichtblick.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Youtube angezeigt.

Vor rund drei Wochen in den Aktivitäten durch die Pandemie-Verordnung wieder einmal gestoppt, konzentrierten sich die Veranstalter der Feldkircher “Musik in der Pforte”-Reihe nicht nur darauf, für ein geplantes Konzert einen Ausweichtermin zu finden. Nachdem Proben erlaubt sind, wurden die Instrumente nicht einfach weggeräumt, man stockte das Ensemble mit Fachleuten auf und realisierte ein Filmprojekt. Seit wenigen Stunden steht es online zur Verfügung.

Im vierten Lockdown wurde ein Konzertprojekt nicht einfach verschoben, man produzierte ein Musikvideo. <span class="copyright">Kawabata</span>
Im vierten Lockdown wurde ein Konzertprojekt nicht einfach verschoben, man produzierte ein Musikvideo. Kawabata

In der berührenden Rahmenhandlung gelingt es dem Regisseur Lionel Ménard, die grundsätzliche Botschaft von Klaus Christa zum Ausdruck zu bringen, dass  die Kunst bzw. die Auseinandersetzung mit Musik und Literatur fast ebenso lebensnotwendig sei wie das Aufnehmen von Nahrung. Dass er kein Fantast ist, hat Christa dabei stets bewiesen, gegen Verordnungen grundsätzlich aufzubegehren, war nie sein Anliegen, aber er erinnerte gerade im Zuge der Lockerungsschritte stets daran, die Kunst nicht hintanzustellen. Es blieb auch nicht beim Mahnen, war er doch einer der Ersten, der den Menschen nach dem Lockdown-Schock im Jahr 2020 wieder Livemusik anbot – sehr vorsichtig unter freiem Himmel und mit riesigem Abstand zueinander.

Wenn in “Heute kein Forellenquintett” nun neben Schuberts Klaviermusik oder den wunderschönen Geigentönen von Mozart immer wieder ein iPhone aufploppt, wenn auf einer uralten Schreibmaschine schmachtende Liebesbriefe geschrieben und wenn einfache Dosenravioli per App rasch zum Gourmetgericht werden, dann ist das ein geistreicher, nie in Jux abdriftender Spaß, den die Musiker Mayumi Kanagawa (Violine), Mathias Johansen (Cello), Dominik Wagner (Bass) und Katja Apekisheva (Klavier) sowie Klaus Christa (Viola) ambitioniert ausleben.

Klaus Christa agiert hier nicht nur als Produzent und als Bratschist, sondern auch ebenso ambitioniert an einer uralten Schreibmaschine und mit dem iPhone. <span class="copyright">Kawabata</span>
Klaus Christa agiert hier nicht nur als Produzent und als Bratschist, sondern auch ebenso ambitioniert an einer uralten Schreibmaschine und mit dem iPhone. Kawabata

Dass versucht wird, die Menschen in einem Mietshaus aus ihrer Einsamkeit zu befreien, ist eine reizvolle Rahmenhandlung mit Briefen an eine Louise , die das Team um den Regisseur – darunter Manuel Schwald, Constantin Eberle und Kenichi Kawabata – auch zu Mechanismen aus der Stummfilmzeit greifen lässt. Wie es gelingt, bleibt etwas der Fantasie überlassen, ganz konkret gelingt es Christa aber, seinem Konzept treu zu bleiben, bei jedem Konzert Werke von Komponistinnen aufzuführen. Die Französin Louise Farrenc (1804-1875) war auch als Pianistin und Pädagogin tätig, ihr Klavierquintett hält Vergleichen mit namhaften Werken der Zeit stand und erhöht die Neugier auf die Live-Darbietung.

Szene aus "Heute kein Forellenquintett" mit witzigen Effekten. <span class="copyright">Kawabata</span>
Szene aus "Heute kein Forellenquintett" mit witzigen Effekten. Kawabata

Eine Live-Aufführung der Produktion ist im kommenden Jahr geplant. Nächste Veranstaltung der Reihe “Musik in der Pforte” am 9. Jänner im Bildungshaus St. Arbogast.