Eine Frau räumt mit Mythen der Anthropologie auf

Kultur / 21.01.2022 • 16:46 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Eine Frau räumt mit Mythen der Anthropologie auf

Sachbuch Männer waren für die Jagd und den Krieg zuständig, Frauen für die Zubereitung der Mahlzeiten und die Kinderpflege. Männer schufen Werkzeuge und Waffen und sie waren die Schöpfer kunstvoller Höhlenzeichnungen. Frauen dagegen hinterließen – nichts. Dieses Weltbild pflegten im 19. und noch weit ins 20. Jahrhundert hinein männliche Anthropologen. Sie verrieten damit mehr über die Geschlechterkonstellation ihrer eigenen Zeit als die der Prähistorie, meint die Ur- und Frühhistorikerin Marylène Patou-Mathis.

In ihrem Buch “Weibliche Unsichtbarkeit” räumt sie mit hartnäckigen Mythen auf. So hat man herausgefunden, dass zahlreiche Handabdrücke, die vor 25.000 Jahren in spanischen und französischen Höhlen entstanden, von Frauen stammen müssen. Sie können also Schöpferinnen der Zeichnungen gewesen sein. Die Ausstattung vieler Gräber lässt kaum auf einen Statusunterschied zwischen Männern und Frauen schließen. Patou-Mathis argumentiert abgewogen und fernab verbissener Ideologie.

“Weibliche Unsichtbarkeit”, Marylène Patou-Mathis, Hanser, 286 Seiten.

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