Ein Blatt Papier mit großer Wirkung

Kultur / 09.02.2022 • 18:21 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Blatt Papier als zentrales Bühnenbild-Element wird rund 33 Meter breit und 23 Meter hoch sein.
Das Blatt Papier als zentrales Bühnenbild-Element wird rund 33 Meter breit und 23 Meter hoch sein.

Das zentrale Element des Bühnenbildes für Giacomo Puccinis “Madame Butterfly” nimmt Form an.

Lauterach Während aus dem See derzeit ein rund 22 Meter hohes Stahlgerüst ragt, basteln Techniker fünf Kilometer entfernt an einem zentralen Element des Bühnenbildes für das Spiel auf dem See. In einer angemieteten Montagehalle in Lauterach entstehen insgesamt 117 Kulissenteile für die erstmals bei den Bregenzer Festspielen gezeigte Puccini-Oper „Madame Butterfly“. Konkret wird an einem riesigen weißen Blatt Papier gearbeitet, das dann Stück für Stück zur Seebühne transportiert werden soll.

Die bis zu 17 Quadratmeter großen und 2100 Kilogramm schweren Einzelteile aus Stahl, Styropor, Holz und Fassadenputz werden am Ende zu einem rund 300 Tonnen schweren Blatt Papier zusammengesetzt und wie ein kunstvolles Mosaik zu einem großen Ganzen zusammengefügt. Die Gesamtfläche des Papierbildes wird rund 1300 Quadratmeter betragen. Für Technik-Direktor Wolfgang Urstadt „ein großes Puzzlespiel mit vielen kleinen Teilen“. Das Blatt Papier soll ein wesentlicher Bestandteil des Bühnenbildes werden und scheinbar schwerelos auf dem Wasser schwimmen. „Theater erzeugt eine Vorstellung und versetzt einen in eine andere Welt. Genau das soll auch bei Madame Butterfly geschehen“, erläutert Intendantin Elisabeth Sobotka. Es gehe darum, in der Naturkulisse auf dem See mit dem sehr schönen, feinen, zerbrechlichen alten Blatt Papier, das auf dem Wasser schwebt, eine Künstlichkeit und eine Leichtigkeit zu erzeugen. „Dieser Widerspruch erzeugt die Spannung, die wir für den See brauchen.“

In der kommenden Woche erhält das Papier, das die japanische Welt versinnbildlichen soll, außerdem Bemalungen. Die Modellentwicklung habe laut Ausstattungsleiterin Susanna Boehm in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht. So war es möglich, auf dem Modell, das vorab in 3D erfasst wurde, mittels Virtual-Reality-Brillen „spazieren zu gehen“, für Susanna Boehm ein „ganz besonderer Moment“. Elisabeth Sobotka freut sich heuer auf ein Bühnenbild, das „komplett anders als bei Rigoletto“ werden wird. „Puccini hat Emotionen, Wünsche und Sehnsüchte komponiert, das Papier könnte man als Spiegel der Seele bezeichnen.“ Das Bühnenbild werde auch heuer wieder Überraschungen bereithalten. „Diese liegen aber nicht in der Beweglichkeit des Bühnenbildes selbst.“

Transport zum See

Praktisch alle an der Herstellung beteiligten Firmen kommen aus Vorarlberg. Schon nächste Woche werden erste Kulissenteile zur Seebühne gebracht, teilweise mit Sondertransporten. In zwei Monaten soll das Papierbild vollständig zusammengebaut werden. Man hoffe auf gute Wetterbedingungen, sagt Wolfgang Urstadt. Auch wenn das überdimensionale Blatt Papier zentrales Bühnenbild-Element werden soll, wird es nicht das einzige sein. Zu viel will man noch nicht verraten. Aber das Festspiel-Werbemotiv für „Madame Butterfly“ mit einer Collage aus Papierbötchen, amerikanischer Flagge sowie japanischer Malerei dürfte schon Hinweise auf die fertige Kulisse geben. Zudem ist bekannt, dass Bühnenbildner Michael Levine auch mit Videoprojektionen arbeiten wird.

„Madame Butterfly“ gelangt an insgesamt 26 Abenden zur Aufführung. Derzeit seien für die kommende Saison rund die Hälfte der nahezu 189.000 aufgelegten Seebühnen-Tickets gebucht. VN-TAS

„Das Blatt Papier, das auf dem Wasser schwebt, soll eine Leichtigkeit erzeugen.“

Aus dem See ragt derzeit ein rund 22 Meter hohes Stahlgerüst. Nach und nach sollen die Kulissenteile von Lauterach nach Bregenz gebracht werden.
Aus dem See ragt derzeit ein rund 22 Meter hohes Stahlgerüst. Nach und nach sollen die Kulissenteile von Lauterach nach Bregenz gebracht werden.
„Das Bühnenbild wird ganz anders als bei Rigoletto“, sagt Festspielintendantin Elisabeth Sobotka. VN/Paulitsch
„Das Bühnenbild wird ganz anders als bei Rigoletto“, sagt Festspielintendantin Elisabeth Sobotka. VN/Paulitsch

Die Bregenzer Festspiele 2022 finden vom 20. Juli bis 21. August statt. Tickets und Infos unter: www.bregenzerfestspiele.com