Göttinnen als Denkfigur

Kultur / 11.02.2022 • 18:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Als Empfangskomitee erwarten die Besucher knapp 30 einzigartige Bodenvasen. Ein genauer Blick lohnt sich dabei. Taxispalais Kunsthalle Tirol
Als Empfangskomitee erwarten die Besucher knapp 30 einzigartige Bodenvasen. Ein genauer Blick lohnt sich dabei. Taxispalais Kunsthalle Tirol

Im Taxispalais Kunsthalle Tirol wird eine Ausstellung vor den Augen der Besucher wachsen.

Innsbruck Dort, wo sonst viele unterschiedliche Werke hängen, ist es momentan ungewöhnlich leer. Mit der Ausstellung „Göttinnen“ im Taxispalais Kunsthalle Tirol möchte die Kuratorin Nina Tabassomi neue Wege beschreiten. Sie lässt die Zusammenschau prozessual entstehen. Ziel ist es, die Logik von Beginn und Ende aufzubrechen. Den Anfang macht die Künstlerin und Philosophin Elisabeth von Samsonow, die verschiedene Zustände der Erde zugänglich macht. Mit knallbunten Farben erarbeitete sie eine neue Form der Kartografie.

Strukturen überdenken

Als Empfangskomitee erwarten die Besucher knapp 30 einzigartige Bodenvasen. Darunter befinden sich künstlerische Anfertigungen und industrielle Erzeugnisse. Ein genauer Blick lohnt sich dabei: In den Einzelstücken befinden sich teilweise Hinweise auf ihre Vorbesitzer. Im lachsfarbenen Ausstellungsraum widmete sich Elisabeth von Samsonow den verschiedenen Zuständen der Erde. Die Künstlerin fungiert als Sprachrohr und verbildlichte ihre Konversationen mit den Erdseelen. Ergänzt werden ihre Werke durch spirituelle Texten, die im Ausstellungskatalog zu finden sind. Als Fundament für ihre Arbeit konnte die Künstlerin aus verschiedenen Inspirationsquellen schöpfen. An der Akademie der bildenden Künste in Wien startete sie gemeinsam mit Künstlerinnen und Forscherinnen aus verschiedenen Fachbereichen das Projekt „The Dissident Goddesses Network“. Im Rahmen der interdisziplinären Zusammenarbeit werden bestehende Strukturen überdacht und das ökologische Denken vorangetrieben. In Niederösterreich gründete die Gruppe das vier Hektar umfassende „Land der Göttinnen“. Das biodiverse Territorium besteht aus Weingärten, Wäldern und verwilderten Flächen. Es dient als Veranstaltungsort, Labor und Ort für anregende Diskussionen.

Pfade verlassen

Mit der Ausstellung möchten die Beteiligten die Göttinnen als Denkfigur in Szene setzen und den Monotheismus überdenken. Es geht dabei nicht um das Ersetzen von bestehenden Vorstellungen, sondern um eine Perspektivenerweiterung. Die Göttinnen werden zum Ausgangspunkt für individuelle Überlegungen. Auf Erklärungen verzichten die Macherinnen bewusst, um das Publikum herauszufordern. Die Räume des Taxispalais werden im Zwei-Wochen-Rhythmus weiter befüllt. Es folgen Arbeiten des australischen Karrabing Film Collective, der Inderin Tejal Shah und dem Nigerianers Emeka Ogboh. Die Tiroler Kunstschaffende Ursula Beiler, die für Arbeiten zur „Grüß Göttin“ große Bekanntheit erlangte, wird sich mit Live-Performances beteiligen. Die Besucher erhalten mit einem Ticket einen viermaligen Zutritt, um die Weiterentwicklung laufend zu verfolgen. Kuratorin Nina Tabassomi steht vor der Aufgabe, die wachsende Ausstellung in das große Ganze zu integrieren. Das Ziel, eingetrampelte Pfade zu verlassen, konnte sie bereits erreichen. MIR

Die Ausstellung „Göttinnen“ im Taxis Palais Kunsthalle Tirol in Innsbruck wird laufend ergänzt und läuft noch bis 1. Mai: www.taxispalais.art