Was noch zu tun ist

Das Human Vision Film Festival am Spielboden Dornbirn steht auch im Zeichen der Gleichberechtigung.
Dornbirn Sie gehen unter die Haut und treffen mitten ins Herz. Die Streifen, die beim Human Vision Film Festival ab 4. März gezeigt werden, verdeutlichen Lebensrealitäten und rütteln auf. Als eine junge tschetschenische Flüchtlingsfamilie aus Österreich abgeschoben werden soll, unternimmt die psychisch labile Mutter einen Selbstmordversuch. Im Zentrum der österreichischen Produktion „Ein bisschen bleiben wir noch“ von Arash Riahi steht dabei das Schicksal der Kinder, die bei verschiedenen Pflegeeltern untergebracht werden. Der Film basiert auf Motiven aus dem Roman „Oskar und Lilli“ von Monika Helfer. Besonders bewegend ist auch die französische Produktion „9 Days in Raqqa“. Sie handelt von der jungen Kurdin und Syrerin Leila Mustapha, die alles dransetzt, ihre Stadt wieder aufzubauen. Politologe und Nahost-Experte Thomas Schmidinger steht nach der Filmvorführung für einen Austausch über Syrien und die Situation in der Stadt Raqqa zur Verfügung.
Die Regisseurinnen Imogen Kimmel und Doris Metz rücken das Lebensgefühl von transsexuellen Personen in den Mittelpunkt ihrer Produktion „TRANS – I Got Life“. Dieser Dokumentarfilm beleuchtet private Erlebnisse, Gefühlslagen und gesundheitliche Aspekte. Wie Gewalt gegen Frauen gestoppt werden kann und welche Maßnahmen dazu nötig sind, wird in dem britischen Streifen „Dying to Divorce“ aufgegriffen. Zusammen mit einer Gruppe von Aktivistinnen und Aktivisten kämpft eine Anwältin für Gerechtigkeit. Sehr private Einblicke bietet der Innsbrucker Regisseur Lukas Ladner. Seinen Film „eva-maria“ widmete er einer jungen Frau, die im Rollstuhl sitzt und von einem eigenen Kind träumt. Im Zuge des Streifens erhalten die Zuschauer intime Einblicke in ein Leben jenseits von konventioneller Familienplanung. Der Filmemacher wird im Anschluss gemeinsam mit der Protagonistin und weiteren Experten zu einem Podiumsgespräch zur Verfügung stehen.
Insgesamt werden elf nationale und internationale Filmproduktionen am Spielboden gezeigt. „Wir möchten einen Mehrwert bieten und unterschiedliche Erzählformate einbinden. Es geht um weit mehr als nur ein Filmerlebnis. Die Besucher können in einen Dialog treten und Diskurse ergründen“, sagt Johny Ritter, der das Festival gemeinsam mit Heike Kaufmann und Niklas Koch leitet. Mit Spenden und einem Teil der Ticketerlöse wird heuer das Projekt „Boost young Africans“ unterstützt. Der Verein hilft junge Afrikanerinnen und Afrikaner auf ihrem Weg in eine möglichst unabhängige Zukunft. Das heurige Rahmenprogramm wurde abwechslungsreich gestaltet.
Kunst von Lorenz Helfer
So verwandelt sich der Spielboden am 6. März in einen Bazar. Es wird die Möglichkeit geben, Kleider zu tauschen und der Geschichtenerzählerin Hertha Glück zu lauschen. Daneben werden auch Infostände, Mitmachaktionen und Ausstellungen geboten. Ebenfalls am Sonntag wird zwischen 16.30 und 17 Uhr eine Mahnwache für den Frieden abgehalten. Zu diesem Anlass werden Stephanie Gräve und Daniela Egger kurze Impulstexte vortragen. Spannende Einblicke bietet der bildende Künstler Lorenz Helfer. Im Laufe des Festivals wird der Hohenemser mehrere Wände bemalen und mit den Besuchern interagieren. „Unser Ziel ist es, Menschen aus verschiedenen Altersklassen zusammenzubringen und gemeinsam zum Nachdenken anzuregen. Das Programm soll die Einnahme von unterschiedlichen Positionen ermöglichen. Besondere Aufmerksamkeit wird heuer den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen geschenkt, die an verschiedenen Stellen des Festivals aktiv eingebunden werden“, erklärt Ritter. mir
Das Human Vision Film Festival am Spielboden Dornbirn startet am 4. März und dauert bis 14. März: www.humanvision.at