Junge Klänge im alten, aber schönen Gemäuer

Kultur / 04.04.2022 • 20:56 Uhr
Junge Klänge im alten, aber schönen Gemäuer

Musiksaal der Villa Grünau wird besonderer Begegnungsort.

Kennelbach Für die Musiker wird es mitunter eine Herausforderung, für die Zuhörer ist es aber ein Erlebnis, wenn sie quasi auf Tuchfühlung mit Künstlerinnen und Künstlern gehen können, wenn der Abstand zwischen Podium und Publikum nur noch eine Armlänge beträgt. Lukas Nußbaumer weiß, wovon er spricht, er ist selbst Musiker und Musikpädagoge an der Musikschule Rankweil und verantwortet nun gemeinsam mit der Musikerin Veronika Ortner-Dehmke die neue Veranstaltungsreihe in der Villa Grünau in Kennelbach. Einigen Musikfreunden ist der schöne Saal bereits ein Begriff, und abgesehen davon, dass die Anlage im Historismus-Stil als Sitz des Kennelbacher Gemeindeamtes fungiert, schätzen auch Hochzeitspärchen die Umgebung. Dort wird somit zwar kein neuer Ort für Kunst und Kultur entdeckt, die Initiative Kultur in Kennelbach hat es sich jedoch zur Aufgabe gemacht, ein breites Publikum nun wesentlich öfter mit Musik und Literatur zu konfrontieren. Werke vom Barock bis in die Gegenwart, von der Klassik bis zum Jazz wird das Angebot umfassen, bei der Qualität gibt es keine Kompromisse. Eingeladen werden überwiegend in der Region tätige Musikerinnen, Musiker und Ensembles, die ein hohes Niveau der Reihe garantieren.

Neue Konzertkonzepte

Zum Auftakt musiziert das Gagliano Trio mit Romaine Bolinger, Payam Taghadossi und Alexander Boeschoten. Schon im Juni gibt es Jazz mit dem Vorarlberger Fabio Devigili und der Wiener Band Markus Pechmann‘s Brassmassery, und weil Lukas Nußbaumer als dreifacher Vater weiß, dass es gar nicht so viele Konzerte für Kinder ab dem Vorschulalter gibt, wie man meinen könnte, hat er auch Norbert Dehmke und Thiemo Dalpra im Programm, die ein pantomisch-clowneskes Abenteuer bieten. Was neben der Veranstaltungsdichte noch neu ist, wird sich im Herbst im Besonderen zeigen. Studenten des Landeskonservatoriums sind eingeladen, Konzepte für Konzerte zu erstellen, mit denen auch jenes Publikum angesprochen werden kann, das derlei Begegnungen bislang scheute.

Acht Veranstaltungen sind heuer inklusive eines Weihnachtsspecials mit Stefan Pohl und Wolfgang Troy programmiert, „etwas mehr dürfen es auch sein“, erklärt Lukas Nußbaumer ambitioniert. Bislang habe es nur wenige Events im Jahr gegeben, bevor die Pandemie alles verhinderte. Die Gemeinde Kennelbach unterstützt die Initiative finanziell, um faire Gagen bezahlen zu können, hat man beim Land Vorarlberg um Förderungen angesucht. Zudem wurden Sponsoren bzw. private Geldgeber gefunden.

Übrigens: Die 1887/88 erbaute Villa Grünau ist nicht nur ein Zeugnis des Kapitalismus der Zeit, die technische Ausstattung war als Sitz der Fabrikantenfamilie Schindler bekanntermaßen geradezu revolutionär. Das romantische Musikzimmer soll ein Geschenk an die Dame des Hauses zur Geburt eines Kindes gewesen sein. VN-cd

„Wir wollen moderner werden und einen Ort schaffen, an den die Leute gerne kommen.“

Junge Klänge im alten, aber schönen Gemäuer
Der Musiksaal der Villa Grünau bietet eine besondere Atmosphäre. Zu den Auftretenden zählen heuer die Ensembles La Rocaille und L‘Estate Musicale. KiK
Der Musiksaal der Villa Grünau bietet eine besondere Atmosphäre. Zu den Auftretenden zählen heuer die Ensembles La Rocaille und L‘Estate Musicale. KiK

Saisonstart in der Villa Grünau in Kennelbach: 8. April, 19.30 Uhr, Gagliano Trio; 13. Mai Ensemble Wort-Art; 10. Juni Markus Pechmann‘s Brassmassery: kulturinkennelbach.at