Wie ein Konzert doch noch gerettet werden konnte

Kultur / 04.04.2022 • 21:00 Uhr
Wie ein Konzert doch noch gerettet werden konnte
Ju

Ensemble Senza Nomine in rasch geänderter Besetzung beim Konzert in Bludesch.

BLUDESCH Gleich mehrere coronabedingte Ausfälle im Bläserensemble und ein penetranter „Heuler“, der die über 230 Jahre alte Silbermann-Bergöntzle-Orgel wie eine Art Grippe überfallen hatte, ließen das erste der heurigen 52. Orgelkonzerte am Sonntag in der Pfarrkirche St. Jakob zur Zitterpartie werden. Und es ist nur dem Krisenmanagement der Verantwortlichen um Kurator Bruno Oberhammer zu danken, dass dieser Termin mit Anpassungen, dafür auf dem gewohnt hohen Niveau vor zahlreichen treuen Stammbesuchern überhaupt stattfinden konnte.

Betroffen war zunächst das noch wenig bekannte heimische Blechbläserensemble Senza Nomine. Es war aus weihnachtlichem Quartett-Musizieren entstanden und sollte nach ersten Erfolgen in größerer Besetzung in Bludesch debütieren. Durch den plötzlichen Ausfall gleich mehrerer seiner acht Mitglieder am Tag vor dem Konzert war rasches Handeln gefragt. Man fand mehrfach adäquaten Ersatz, und so zeigte sich die geänderte Besetzung nun ausgewogen mit vier Trompeten (Roché Jenny, Gabriel-Maria Morre, Florian Stemer und Thomas Vötterl) und vier Posaunen (Andreas Hofer, Yanick Keckeis, Dietmar Nigsch und Thomas Witwer). Durch kurzfristig anberaumte Proben kam letztlich auch der satte, warme Bläsersound in der prachtvollen, auch akustisch vorzüglichen Pfarrkirche St. Jakob voll zur Wirkung.

Im Grunde ein Prachtstück:  Silbermann-Bergöntzle-Orgel in Bludesch.
Im Grunde ein Prachtstück: Silbermann-Bergöntzle-Orgel in Bludesch.

Die dadurch bedingten Programmänderungen erwiesen sich sogar als Vorteil, denn auf diese Weise wurde das ursprünglich rein barocke Programm durch klassisch-romantische Publikumslieblinge wie die achtstimmige Motette „Denn er hat seinen Engeln befohlen“ von Mendelssohn und Mozarts vierstimmiges „Ave verum“ nach dem originalen Chorsatz belebt. Das Grundrepertoire mit Barockmusik im barocken Kirchenraum aber entfaltete klangvolle Wirkung und machte wieder einmal den Unterschied zwischen Blasmusik und Bläsermusik als einer spezifischen Form der Kammermusik deutlich. Da wurde kultiviert und schlank musiziert, in sauber ausgehörter Intonation und mit feinen Anpassungen in Dynamik, Artikulation und Phrasierung wie etwa in Buxtehudes Fanfare und Jeremiah Clarkes „Trumpet Voluntary“, die das Programm einrahmten, sowie in kleineren Besetzungen als Kontrast dazu. Auch als Ensemble „ohne Namen“ haben sich die Musiker mit diesem Auftritt einen Namen gemacht.   

Organist und Programmverantwortlicher Bruno Oberhammer.
Organist und Programmverantwortlicher Bruno Oberhammer.

Bruno Oberhammer benötigte keine Änderungen für sein Orgelprogramm, nachdem erst einmal der Auslöser für den „Heuler“, ein Dauerton in einem Bassregister, erkannt wurde. Es war die zu geringe Luftfeuchtigkeit während der letzten Wochen, die zu Veränderungen in den alten Holzteilen des komplexen Wunderwerkes mit seinen vielen Einzelteilen geführt hatten und durch den Orgelspezialisten Oswald Wagner rasch behoben waren. So konnte Oberhammer lustvoll in die alten Tasten greifen und wieder einmal seine Meisterschaft an diesem kostbaren Klangdenkmal aus der Straßburger Silbermann-Schule demonstrieren, virtuos trotz der oft genug im Hintergrunde klappernden alten Mechanik der Orgel, von straffem Zugriff in den Tempi und großer Fantasie in der vielfältigen Klanggebung der Registrierung. Eine Besonderheit war Bachs Choralbearbeitung „Nun freut euch, liebe Christen g’mein“ mit dem Cantus firmus im Pedal auf einem 4-Fuß-Clairon mit Aliquoten-Umspielungen in den beiden Manualen. Zur klanglichen Kostbarkeit gerade auf dieser nach französischen Vorbildern konzipierten Orgel wurde das farbenreich ausgezierte Offertoire aus einer Messe von Couperin.  Fritz Jurmann 

Zweites Bludescher Konzert: 12. Juni,17 Uhr, Kirche St. Nikolaus – Blockflöten-Ensemble „La Rocaille“, Leitung Sabine Gstach