Christa Dietrich

Kommentar

Christa Dietrich

Von Bregenz nach Berlin – ein logischer Schritt

Kultur / 12.05.2022 • 22:37 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Für ihre Kenntnisse spricht es sowieso, aber auch für ihren Führungsstil, dass ihre Entscheidung, die Bregenzer Festspiele mit Ende der Saison 2024 zu verlassen, derart friktionsfrei verlaufen ist. In überregionalen Fachmedien wurde Elisabeth Sobotka in letzter Zeit mehrfach attestiert, Chancen auf Leitungspositionen in den führenden Häusern der Branche zu haben. Welche könnten das sein? Natürlich auch die Berliner Staatsoper Unter den Linden, deren Programm sie nun ab der Saison 2024/25 verantworten wird.

Derlei Spekulationen jeweils ruhig mit „kein Thema“ abgewehrt zu haben, zählte fast schon zum Alltag der Bregenzer Festspielintendantin. An der Spitze der Wiener Staatsoper wollten sie einige schon in jenen Jahren sehen, in denen ihre neuen Konzepte für Bregenz gerade zu fruchten begannen und intensive Beobachter der tollen Weiterentwicklung des Festivals am Bodensee derlei Ansinnen vonseiten der Medien eher belächelten. In der Endphase der vor Kurzem erfolgten Intendantinnen- bzw. Intendantensuche in Zürich erstellten auch Kunst und Kultur ernst nehmende Zeitungen Rankings, in denen Elisabeth Sobotka als begehrte Persönlichkeit aufschien.

Obwohl gerade Karrieren wie jene der österreichischen Musiktheaterexpertin schwer planbar sind und sich die Intendantenkarusselle mitunter auch über politische Zugriffe drehen, scheint der Schritt logisch: Operndirektorin an der Staatsoper Berlin, Intendantin an der Oper Graz, Intendantin der Bregenzer Festspiele, Intendantin an der Staatsoper Berlin: Chapeau!

Zwei Jahre und damit drei Festspielsaisonen wird Elisabeth Sobotka noch in Bregenz tätig sein. Nach “Turandot“ und „Carmen“ hat sie dann mit „Rigoletto“, „Madama Butterfly“ und „Der Freischütz“ drei Opern auf den See gebracht, die bislang nie im Programm waren und keineswegs von vornherein als sichere Bank bewertet werden konnten.

Es ist viel zu früh, um die Intendanz zu resümieren, entscheidend wird es aber auch sein, wie es Sobotka in den nächsten drei Saisonen gelingt, die von ihr besonders geprägte große Bandbreite der Bregenzer Festspiele – vom für die Massen produzierten Werk auf dem See über selten zu sehende große Opern im Haus bis hin zu Uraufführungen wie dem heuer gezeigten Werk „Melencolia“ von Brigitta Muntendorf – noch stärker ins Blickfeld zu rücken.

Derlei Vielseitigkeit ist wohl auch das, was die Berliner Oper im Vergleich zu Wien so attraktiv macht.   

„Es ist viel zu früh, um die Intendanz zu resümieren, entscheidend wird es aber auch sein, wie es Elisabeth Sobotka gelingt, die von ihr besonders geprägte große Bandbreite der Bregenzer Festspiele noch stärker ins Blickfeld zu rücken.“

Christa Dietrich

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