Wo einem Freude und Lust am Schauen beschert wird

Kultur / 06.06.2022 • 11:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Filigrane Arbeit von Sophie Thelen in der Sammlung Rohner. <span class="copyright">AG</span>
Filigrane Arbeit von Sophie Thelen in der Sammlung Rohner. AG

Museum Rohnerhaus präsentiert umfangreiche Schau mit Grafiken und Arbeiten auf Papier.

LAUTERACH „Graphische Zeichen der Zeit“ heißt die neue Ausstellung im Privatmuseum Kunst im Rohnerhaus in Lauterach, die am Sonntag eröffnet wird. Der Titel der Schau, die aus dem Vollen der hauseigenen Sammlung schöpft, in der Zeichnungen, Skizzen, Druckgrafik sowie Arbeiten auf Papier breiten Raum einnehmen, ist klug gewählt. Denn obschon sich Linie und Strich als ureigenste grafische Strategien in den meisten Werken durchziehen, ließe sich die Vielfalt des Präsentierten ansonsten kaum auf einen gemeinsamen Nenner bringen. Und gerade die künstlerische Vielfalt und die unerwarteten Konstellationen in der Ausstellung sind es denn auch, die mit großer Leichtigkeit daherkommen und Freude und Lust am Schauen bescheren.

Alwin Rohner hat über Jahrzehnte eine umfangreiche Sammlung mit Kunst aus der Region aufgebaut. <span class="copyright">AG</span>
Alwin Rohner hat über Jahrzehnte eine umfangreiche Sammlung mit Kunst aus der Region aufgebaut. AG

Für Alwin Rohner, Hausherrn und passionierten Sammler, erfüllt sich mit der Ausstellung ein lang gehegter Wunsch. „In der Grafik, vor allem in der Zeichnung, liegt die Freiheit der Kunst, wenn man so will. Sie ist die Urform des künstlerischen Schaffens, der unmittelbarste Ausdruck und für mich der eindrucksvollste“, sagt er. Ziemlich genau ein Jahrhundert umfassend, sind es vor allem Vorarlberger Künstlerinnen und Künstler, deren Werke im Rohnerhaus zu sehen sind. Die Auswahl spiegelt einerseits in der Heterogenität dieser umfangreichen Privatsammlung die ganz persönlichen, subjektiven Vorlieben und manifestiert andererseits auch ein ziemlich repräsentatives „Who‘s Who“ zeichnerischer und grafischer Positionen im Land.

Skizze von Rudolf Wacker. <span class="copyright">AG</span>
Skizze von Rudolf Wacker. AG

Prominent in der Sammlung und unübersehbar in der Ausstellung vertreten ist Tone Fink. Der Fokus liegt auf den Werken der 1970er Jahre, als sich der Tone exzessiv und gefinkelt dem Zeichnerischen verschrieben hatte und seine Ansichten von Wiener Hinterhöfen und seine spitzfindig-hintergründig-ironisch-skurril-gestrichelten Blätter noch mit „Anton Fink“ signierte. „Teufelsweiber, Mistviecher und Drecksauen, wann verschwindet ihr aus meinen Bildern?“ fragt der Künstler in einer großformatigen, detailreichen Druckgrafik, die er sinnig-listig, wohl auch selbstreflexiv, „Die Versuchung des Hl. Antonius“ betitelt. Mit drei expressiven Selbstbildnissen von Edmund Kalb und mehreren Skizzen und akribischen Vorstudien mit exakten Farbzuweisungen zu den finalen Gemälden von Rudolf Wacker sind zwei weitere, bekannte und in der Rohnerschen Sammlung stark präsente Namen vertreten. Grafiker wie Rudolf Zündel, klassische Radierer wie Armin Pramstaller oder Hans Sturn sind ebenso anzutreffen wie die aufwendigen Bromöldrucke des Fotografen Werner Branz, abstrakte Malerei wie Fritz Pfister, Landschaftsmotive von Alois Schwärzler auf Papier oder die Schriftbilder der kürzlich verstorbenen Irmengard Schöpf.

"Kummenberg-Durchstich" von Armin Pramstaller. <span class="copyright">AG</span>
"Kummenberg-Durchstich" von Armin Pramstaller. AG

Von der Dornbirner Objektkünstlerin Uta Belina Waeger, die aktuell an der Schnittstelle von Kunst und Design agiert, ist eine formal abstrahierende Papierarbeit aus der Reihe „Aspekte des Universums“ von 2004 zu sehen, während sich Michaela Ortner-Moosbrugger in ihren fotorealistischen Tusche-Arbeiten auf Papier dem Mysterium Wald verschrieben hat. Eine kleine Themengruppe innerhalb der Schau widmet sich dem Tierischen und reicht von einer Studie zum großangelegten Zyklus „Vähtreb“ des Liechtensteiner Künstlers Martin Frommelt, über Leopold Fetz‘ Probedruck „Herde“ bis hin zu Tone Finks Beschäftigung mit Affen(Katzen)-Gesichtern. An der Wand gegenüber findet sich ein zartes, bezaubernd fein gepinselt und gezeichnetes, Fragilität und Stärke zugleich ausdrückendes Blatt von Sophie Thelen, auf dem ein Katzenpaar als Krafttiere, deren Schnurren man förmlich zu hören glaubt, einer schlafenden Figur „Trost“ spendet. Weitere Arbeiten stammen u. a. von Martin Häusle, Hubert Berchtold, Franz Rederer, Emil Sargant, Claus Pack, Helmuth Fetz, Mädy Zünd, Oswald Baer, Alexandra Wacker, Roland Haas oder Elmar Klocker. Ariane Grabher

"Der Papierkorb" von Otto Herbig. <span class="copyright">AG </span>
"Der Papierkorb" von Otto Herbig. AG

Eröffnung im Rohnerhaus, Kirchstraße 14, in Lauterach, am 5. Juni, 10.30 Uhr bis 17.30 Uhr. Zu sehen jeden ersten Sonntag im Monat, 10.30 Uhr bis 17.30 Uhr.

Werk von Michaela Ortner-Moosbrugger. <span class="copyright">AG</span>
Werk von Michaela Ortner-Moosbrugger. AG