Zwischenstopp und Neuausrichtung

Kultur / 13.10.2022 • 18:15 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Enquete bot Gelegenheit zur Auseinandersetzung über den Ist-Stand des kulturellen Lebens.Land Vorarlberg/Bernd Hofmeister
Die Enquete bot Gelegenheit zur Auseinandersetzung über den Ist-Stand des kulturellen Lebens.Land Vorarlberg/Bernd Hofmeister

Landeskulturenquete 2022 in Schwarzenberg.

Schwarzenberg Rund 280 Teilnehmende aus Politik, Verwaltung und aus der Kulturszene kamen am Donnerstag, 13. Oktober 2022, im Angelika Kauffmann Saal in Schwarzenberg zur 2. Kulturenquete Vorarlberg zusammen, um die aktuelle Entwicklung der heimischen Kulturlandschaft zu diskutieren. Die letzte Kulturenquete des Landes fand im Jahr 2015 statt und führte 2016 zur Erstellung einer Kulturstrategie des Landes.

Ein Schwerpunkt der Veranstaltung lag auf dem Thema Fairness, Fair-Pay und Prekariatsforschung. Auf Anregung der IG Freie Theaterarbeit hatte das Bundesministerium im Rahmen des Fairness-Prozesses Länder und Interessengemeinschaften dazu eingeladen, gemeinsam Leitlinien für eine verbesserte Zusammenarbeit aller, die an Kunst und Kultur in Österreich beteiligt sind, zu formulieren. Es wurden Rechtsgutachten und Honorarempfehlungen eingeholt, es wurde eine Studie durchgeführt, um benennen zu können, wie hoch der Fair-Pay-Gap ist, wie viel Geld die Gebietskörperschaften aufbringen müssen, um mehr Fairness zu ermöglichen. Brigitte Winkler-Komar, Abteilungsleiterin beim Bundesministerium für Kunst, Kultur, Öffentlichen Dienst und Sport: „Fair-Pay ist das wichtigste und drängendste Thema in der freien Szene im Kunst- und Kulturleben, es muss aktiv und progressiv gelebt und entwickelt werden. Für uns ist klar, dass Fair-Pay immer ein Thema bleiben wird, Fairplay muss zur Normalität werden.“

Auch Kulturamtsleiter Winfried Nußbaummüller bekräftigte: „Diese Förderung durch Fair-Pay ist keine einmalige Geschichte, sondern wird in Zukunft auch die Länder beschäftigen und es gibt in Vorarlberg ein Budget dafür.“ Die Kulturabteilung des Landes hatte 2020 die Forschungsgruppe Empirische Sozialwissenschaften der FH Vorarlberg beauftragt, die Lebens- und Einkommenssituation von Vorarlberger Künstler zu untersuchen. Intensiv versucht wird derzeit schon, den bestehenden Fair-Pay-Gap bei Kunst-Kulturveranstaltenden schrittweise zu verkleinern. Ein weiteres Ergebnis des einjährigen kooperativen Texterstellungsprozesses ist ein „Fairness Codex“, ein Wertecodex der das Miteinander – auf der Basis das Selbstverantwortung und Selbstbindung verbindlich macht – in Worte gießt. Zielgruppe des Fairness-Codex sind Kulturinstitutionen, Kulturvereine, Organisationen, Interessengemeinschaften, Fördergeber und die Kulturpolitik auf allen Ebenen.

Kultur und Wirtschaft

In einem „Blick von außen“ beleuchtete Wolf Lotter, bekannter Autor und Essayist sowie Gründungsmitglied des Wirtschaftsmagazins »brand eins“, wie eine aus seiner Sicht dringend notwendige Transformation, also ein grundlegender Wandel unserer Gesellschaft, gelingen könne. Einen wesentlichen Schritt sieht er in einer verbesserten Zusammenarbeit der Wirtschaft mit der Kunst, die damit anfangen müssten, aufeinander zuzugehen, um voneinander zu lernen. Beide Seiten könnten grundsätzliche Informationen liefern, die für die Wissensgesellschaft, in der wir heute leben, unverzichtbar sind. Die Wirtschaft müsse zudem verstehen, dass Kreativität eine wesentliche Ressource dabei darstellt. Wer Kreativität nicht akzeptiere, könne keine Transformation erzielen. „Die Künstler haben immer schon gesagt, ich möchte ehrliche, vielfältige Kunst machen. Der Kreative ist stets auf der Suche nach dem Neuen. Innovationen müssen nicht immer etwas Großartiges hervorbringen, diese können auch einfach eine Verbesserung, eine neue Sichtweise sein, manchmal in kleinen Schritten. Der Kunst ist das klar, nicht aber der Wirtschaft. Hier sollten sich beide Seiten austauschen“, so Lotter. Auf der anderen Seite erwartet er von den Künstlern, darüber nachzudenken, was sie unternehmerisch beitragen könnten.

Lernerfahrungen

Nach einem Blick über die Grenzen, wie es im Ausland tätigen Künstlern ergeht, gab es am Nachmittag die Möglichkeit, aus sechs Themenkomplexen jeweils zwei zur Vertiefung auszuwählen. Diese orientierten sich an den drei Säulen der Kulturstrategie – Zusammenarbeiten, Impulse setzen, Grenzen überschreiten – und hatten als Zielvorstellung, Lernerfahrungen aus Best-Practice Prozessen zu vermitteln und für andere Aufgaben und Themenfelder nutzbar zu machen.

Kuratiert wurde die Kulturenquete mit Unterstützung von Lukas Böckle, Brini Fetz, Susanne Fink, Mirjam Steinbock und Peter Niedermair von Edgar Eller und Winfried Nußbaummüller.

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