Die Suche nach der verlorenen Skulptur

Kultur / 20.11.2022 • 18:35 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Gruppenausstellung in der historischen Montagehalle der Rüschwerke stellt ein Novum in der Geschichte des Kunstraum Dornbirn dar. Guenter Richard WETT (3)
Die Gruppenausstellung in der historischen Montagehalle der Rüschwerke stellt ein Novum in der Geschichte des Kunstraum Dornbirn dar. Guenter Richard WETT (3)

Die neue Ausstellung ist ein Novum in der Geschichte des Kunstraum Dornbirn.

Dornbirn 12 verschiedene Künstler und 23 Objekte/Plastiken sind derzeit in der neuen Ausstellung des Kunstraum Dornbirn zu sehen. Diese Gruppenausstellung, ein Novum in der Geschichte des Kunstraum Dornbirn, ist eine partielle Übernahme vom Verein Skulptur, Wien. Hier und Jetzt. Wien Skulptur 2022, wurde von Herwig Kempinger und Kasia Matt-Uszynska kuratiert und für Dornbirn in Zusammenarbeit mit Thomas Häusle, Direktor des Kunstraum Dornbirn, adaptiert.

Vielfältigkeit und Verschiedenheit

Eine Gruppenausstellung von dieser Dimension birgt in sich immer gewisse Unwägbarkeiten. Sei es in der Präsentation und der Gewichtung einzelner Werke, sei es in der Korrespondenz zueinander, sei es in der Vielfältigkeit und der Verschiedenheit der verwendeten Materialien.

Das Ganze noch an die räumlichen Gegebenheiten der historischen Montagehalle der Rüschwerke anzupassen, ist ein nicht ganz einfaches Unterfangen. Peter Sandbichlers Arbeit „Schlagbaum“ (2011), eine der ältesten Arbeiten in diesem Kontext, wird sehr viel Platz eingeräumt, steht zentral im Raum und wirkt dadurch sehr augenfällig und dominant; so sehr, dass die weiteren Plastiken geradezu etwas ins Abseits, an den Rand gedrängt werden. Nichtsdestotrotz, Grenzbalken werden von ihrer ursprünglichen Zweidimensionalität zu einer Dreidimensionalität geführt, ein Körper, der an das Atomium/Brüssel erinnert. Eine Grenzerfahrung.

Schalkhaft und ebenso hintersinnig Fritz Panzers „Volkswagen“, ein VW Golf im Maßstab 1:1, dreidimensional gefertigt aus schwarzem Draht, hängt von der Decke. Eine Raumzeichnung, die sofort identifizierbar ist. Genauso wie die aus Playmobilmodulen gebauten inselartigen Hochbauten mit dem Titel „New York / Chicago“ (2016/2022) von Siggi Hofer. Vielleicht nicht so substanziell, aber eine wundervolle Kindheitserinnerung. Manche dieser Plastiken erinnern sehr stark an Arte Povera. Objekte, Installationen aus „armen“, das heißt gewöhnlichen, alltäglichen Materialien bzw. Gegenständen (Plastik, Glas, Blech etc.).

Birke Gorms Jutesäcke mit dem Titel „capacity and composure“ (2021), die an chillige Lazy Bags erinnern, übersät von Aluminiumösen und Dosenverschlüssen, zeigen in diese Richtung. Sterntaler lässt grüßen. Herausragend das „Graue Verhältnis“ (2019), eine Wandarbeit aus Zinkblech- und Kunststoffgewebe von Michael Kienzer, ineinander verwirkt und verwoben zu einem Körper, schlägt der schon ausgelaugten, ewigen Diskussion über Zwei- bzw. Dreidimensionalität von Skulpturen spielerisch ein Schnippchen. Großartig.

Spannendes Wechselspiel

Aber eines ist all diesen Plastiken und Objekten gemein: die Vielfältigkeit, das überaus spannende Wechselspiel von Farben, Formen und Materialien, die Hinterfragung des aktuellen Skulpturbegriffs, der seit Marcel Duchamps „Fountain“ (1917) und der Mutter aller Readymades „Flaschentrockner“ (1913) noch immer in Kinderschuhen steckt. Aber vor allem der Witz, der Humor und diese ausgebuffte Hintersinnigkeit, die bei jenen Werken aufblitzt, die dazu imstande sind, das Unsichtbare sichtbar zu machen. Dazu gehört auch Constantin Lusers „Schallmaurerei“ (2021). THS

Hier und Jetzt. Wien Skulptur 2022, bis 12. Februar 2023, www.kunstraumdornbirn.at

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