Jubelstimmung bei Bach

Kultur / 12.12.2022 • 21:10 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Weihnachtsoratorium ist von größter Volkstümlichkeit, vor allem etwa im Eingangschor „Jauchzet, frohlocket“. Victor Marin
Das Weihnachtsoratorium ist von größter Volkstümlichkeit, vor allem etwa im Eingangschor „Jauchzet, frohlocket“. Victor Marin

Das Weihnachtsoratorium wurde zum fulminanten Start der neuen Privathochschule Stella.

FELDKIRCH Das Konzert am Sonntag im Festsaal des Hauses war so etwas wie die praktische Umsetzung dessen, was Rektor Jörg-Maria Ortwein den VN bezüglich Erwartungen und Anforderung an seine neue Privathochschule Stella zu Protokoll gegeben hatte.

Da wurde eineinhalb Stunden lang von einem 44-köpfigen Studentenensemble auf einem Niveau gesungen und musiziert, dass es eine helle Freude war. Mit den ersten drei Kantaten von Bachs Weihnachtsoratorium war das ein risikoreiches Unterfangen, mit dessen Bewältigung selbst Profis oft ihre Probleme haben. Hier aber gelang sehr vieles sehr überzeugend und ergreifend und löste damit zu Recht Jubelstimmung aus.  

„Jauchzet, frohlocket“

Jetzt also endlich ein echtes Weihnachtskonzert – und was für eines! Neben dem nun Hochschul-Sinfonieorchester Stella Vorarlberg benannten Klangkörper wirken ein Vokalensemble und Solisten des Hauses mit insgesamt 44 Mitwirkenden unter Benjamin Lack. Bachs Weihnachtsoratorium ist als barocke deutsche Vertonung der Geburt Christi von höchster musikalischer Qualität.

Trotz seiner Popularität ist das Werk bei uns eher selten zu hören, nicht zuletzt seiner hohen Ansprüche wegen. Da kann eine Aufführung mit Sängern und Musikern im Range gut vorgebildeter Studenten im jungen Erwachsenenalter schon zum Griff nach den Sternen werden. Doch da ist Benjamin Lack der Garant für Qualität, der das Stück kennt und schätzt, seinen Studenten auf Augenhöhe die Einstellung und den Geist vermittelt, die für den Erfolg notwendig sind.

Clemens Breuss

Als Beispiel dafür, was man mit konsequenter Arbeit auch bei Studenten erreichen kann, mag der junge heimische Tenor Clemens Breuss gelten, der im siebten Semester in der Klasse von Dora Kutschi studiert. Er hat mutig die zentrale und enorm fordernde Partie des Evangelisten übernommen und füllt sie mit schön modulierender, heller Stimme voll Glaubwürdigkeit und dem nötigen Ernst als Erzähler aus.

Die weiteren Solisten des Ensembles aus den Klassen Judith Bechter, Clemens Morgenthaler und Dora Kutschi sind je nach Ausbildungsstand naturgemäß von unterschiedlicher Qualität: Karoline Streibich, Anjulia Hartrampf, Jaegyeun Choi, André Sesgör, Noriaki Yamamura, Sarah Kling, David Höfel, Sarah Schmidbauer und Nina Oberhauser. Gestützt werden sie bei ihren Rezitativen von Johannes Hämmerle an der Truhenorgel als zweitem Profi im Ensemble.

Bei den Vokalisten wie beim Orchester mit der auch solistisch überlegenen Konzertmeisterin Veronika Kahrer geht es Benjamin Lack um eine schlank besetzte und wendige, dafür schlagkräftige und historisch informierte Truppe, mit der sich optimal musizieren lässt, in der Deutlichkeit der Diktion, der Reinheit der Intonation, der fein ausbalancierten Klangkultur. Er bevorzugt eine temporeiche, spannungsgeladene Lesart, ohne die Schönheit der Musik und der vielen lyrischen Stellen dabei außer Acht zu lassen. Da ist sehr vieles, was diese Aufführung weit über eine studentische Routinedarbietung hinaushebt und in ihrer Unmittelbarkeit des Erlebens tief beeindruckt. Hut ab vor den Leistungen dieser hoch motivierten jungen Leute und ihres Dirigenten. ju

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.